Samstag, 22. Dezember 2012

Wintersonnwende Teil II: Die Rückkehr des Sonnenkindes

Unser Jul-Altar

Teil I dieser Reihe hat in mir eine Menge neuer Gedanken zum Thema Umgang mit Zeit wachgerufen, die ich mir allerdings für einen späteren Zeitpunkt aufbewahre (Teil III?).

Heute sehe ich mich gerade noch in der Lage, ein paar simple Gedanken zum Jul-Ritual, das ich heute in aller Ruhe und mit meinem Partner Arno gefeiert habe, aufs Papier zu bringen.

Die Planung war minimal. Ich hatte mir lediglich vorgenommen, den Abend nicht gänzlich unzeremoniell an uns vorbei streichen zu lassen. Ein paar Kerzen und immergrüne Zweige, Salbei und Glühwein sollten doch reichen. Den Rest würden wir aus uns selbst entwickeln; genug Routine hatten wir ja inzwischen.

Und so wurde mir erst klar, wofür wir dieses heutige Ritual feierten, als ich vor dem Altar nach den richtigen Worten für die Anrufung suchte. 

"Ich rufe den Gott, die Göttin und das heilige Kind in uns und allem was ist!"

Das heilige Kind. Da war es! Und plötzlich waren Jul und Weihnachten keine getrennten Dinge mehr. 

Das heilige Kind. Der Sohn, die Sonne (Son and sun). Mabon, Apollo, Horus, Mithras und, ja, auch Jesus.

Ab da flutsche das Ritual nur so. Wir sprachen davon, was es heißt, das heilige Kind zu sein; der Sohn (oder die Tochter) den jeder so sehnsüchtig erwartet und der auch ganz selbstverständlich darum weiß, dass die Party ohne ihn nicht weitergeht. Für den der Ochse und der Esel im Stall genauso wichtig sind, wenn nicht sogar noch wichtiger, wie die versammelten Magier. Unsere Mediation sollte uns zu unserem eigenen inneren Sonnenkind führen. Was will in uns geboren werden, in die Welt treten und mit aller Kraft strahlen?

Es war Gott sei Dank keine intellektuelle Übung und wir ersparten uns die Aufzählung all der Dinge, die wir im nächsten Jahr verwirklichen möchten. Vielmehr schien das innere Kind selbst hervorzutreten, mit aller Naivität und Unbefangenheit und einem ganz natürlichen Selbstbewusstsein, das wir Erwachsenen oft verloren zu haben scheinen.

Sonnenkinder
Das ist die Kraft, die wir brauchen, um der Welt zu begegnen und schöpferisch in ihr tätig zu sein! Wofür fahren wir all die Kerzen, Ritualgegenstände und das Räucherwerk auf, wenn nicht, um diese einfache, natürliche, kreative Kraft, die in uns wohnt und die mit dem gesamten Universum in Verbindung steht, hervorzulocken?

Und mit diesem Gedanken möchte ich diesen etwas plump geschriebenen Bericht beenden. Wobei... ein Foto gibt's noch. Von uns beiden Sonnenkindern. 

Voller Spieltrieb voraus und weiterhin fröhliche Festtage!
Euer Chris


Freitag, 21. Dezember 2012

Wintersonnwende Teil I: Apocalypse Now?

Langsam erwache ich in meinem Wust aus Kissen und Decken und räkle mich genüsslich. Mein Körper ist noch ziemlich steif und ich fühle mich leicht geplättet von der Kombination aus Sekt und Yoga am Vorabend. Gesang dringt aus dem Untergeschoß zu mir und fahles Licht fällt durchs Fenster.

Das ist er also, der Morgen zum Weltuntergang.
Fühlt sich an wie jeder x-beliebige Morgen im Winter. Die Sonne ist aufgegangen - was schon mal einige der New-Age-Prophezeihungen wiederlegt. Glück gehabt! Ich höre auch keine Engel trompeten und irgendetwas sagt mir, dass sich in den Nebelbänken, die draussen auf dem Feld zu sehen sind, wahrscheinlich keine Aliens verbergen.

Für die meisten Menschen, mit denen ich zu tun habe, ist der 21. Dezember ohnehin entweder ein Tag wie jeder andere oder die jährlich wiederkehrende Wintersonnwende. Nix besonderes. Nur einer meiner New-Age-Freunde, der ohnehin nicht für seine große Erdung bekannt ist, konnte sich gestern kaum auf dem Stuhl halten aufgrund der immensen Schwingungsbeschleunigung. Ja, die habe ich auch gespürt, aber bei mir war's wohl eher der Sekt.

Nichtsdestotrotz beschäftigt mich das Thema Maya-Kalender.
Nicht, weil ich daran glaube. Natürlich ändert sich die Energie am 21. Dezember, denn es ist ein besonderer, jährlich wiederkehrender Punkt im Zusammenspiel von Sonne und Erde. Und dass wir in interessanten Zeiten der Wandlung befinden ist ohnehin klar, wobei ich diese eher auf Veränderungen im kollektiven Bewusstsein der Menschen zurückführe. Das ganze Jahr war für mich eine Achterbahnfahrt großer innerer Veränderungen, die ich jedoch größtenteils als freudvoll und spannend empfunden habe und trotz Beschleunigung mit ausreichender Erdung.

Der Maya-Kalender-Glaube beschäftigt mich, weil ich sehe, wie einfach es ist, ach so vernünftige Menschen mit völlig aus der Luft geholten Behauptungen über völlig willkürlich definierte Daten in tiefsten Aberglauben zu stürzen; ein Phänomen, das zu jeder Jahrhundertwende zumindest in der christlichen Ära aufgetreten ist.

Und damit meine ich nicht die Spirituellen und Esoteriker in meinem Bekanntenkreis. Die meisten Posts über den Weltuntergang, die ich auf Facebook sehe, stammen von den unspirituellen, vermeintlich aufgeklärten Menschen, die sich zwar ausgiebig über das Thema lustig machen, aber doch offenbar irgendwie damit beschäftigen. Ironisch irgendwie. Von naturspiritueller Seite so gut wie keine Erwähnung der Begriffe Maya, Weltuntergang oder Apokalypse. Was Sinn macht, denn wie kann es in einem naturspirituellen Weltbild, das auf einem zyklischen Zeitmodell beruht, so etwas wie ein absolutes Ende geben? Das überlassen wir doch lieber den Traditionen, bei denen die Beobachtung natürlicher Kreisläufe keine Rolle spielt und die dementsprechend anfälliger für aus der Luft gegriffene Untergangsdaten innerhalb eines aus der Luft gegriffenen Kalenders sind.

Das interessante ist, dass dieses naturferne Gedankengut seit über tausend Jahren unsere gesamte Gesellschaft prägt, so dass es mich nicht weiter verwundert, dass der Maya-Mist (mit dem die echten Maya herzlich wenig zu tun haben) im christlich geprägten Mainstream besonders begeistert aufgegriffen wird. Natürlich mit viel Ironie und Zynismus, aber auch mit einem Rest von "haha, vielleicht ist ja doch was dran."

Die Veränderung, auf die ich wirklich warte, wird erst in ein paar Tagen, Wochen oder gar Monaten zu sehen sein. Wenn nämlich die Weltuntergangsbefürchter bemerken, dass es weiter geht. Dass sie weder in einer Flammenhölle untergegangen noch vom Ashtar-Kommando in die achte Dimension versetzt worden sind. Dass sie tatsächlich selbst sehen müssen, wo sie bleiben, wie sie ihr Leben weiterführen und mit den großen wie kleinen Problemen auf der Welt umgehen wollen.
Die nächste Weltuntergangsprophezeiung kommt bestimmt, aber ich erwarte, dass eine Menge Menschen aufwachen und erkennen werden, dass sie den Lauf der Welt selbst in der Hand haben. Ohne ein unmittelbar bevorstehendes neues Datum für die Apokalypse könnte das für das Jahr 2013 eine Welle absolut positiverAufbruchsenergie bedeuten. Darauf freue ich mich.

Mehr zur Wintersonnwende von mir (der wirklichen, ohne die Erwähnung des Wortes Maya. Versprochen.) gibt's heute Nacht. Oder morgen früh, mal sehen.

Euch allen eine besinnliche, erhellende, energetisierende Mittwinternacht!
Chris

Dienstag, 18. Dezember 2012

How to use Facebook to focus on what you want instead of what you think you want


What'll it be, folks?

I have been noticing a recent trend on Facebook to focus on complaints, victimhood and generally the negative. Even spiritual teachers and people who walk a spiritual path seem to resort to denouncing and pointing fingers. And I have caught myself doing the same several times.

It’s understandable. There are many things in our world that are far from perfect or even desirable. But is focussing on the negative really helping us to shift our energy towards a more positive life? I don’t think so. Facebook makes it easy for us to post and share stuff without reflecting on it first. But shouldn’t we be the ones who deal more consciously with this? As people on a spiritual path we know that energy follows awareness. Or we should know.


So let’s focus on the positive. 

Don’t get me wrong. I’m not saying we should ignore the not so great things in life – the wars, murders, bad people or even our own issues (and, yeah, if you complain about something on Facebook you can bet it’s yours too).

Again: Let’s focus on the positive: that which we want to strengthen and draw into our lives.

Here’s a list of things I came up with to be in better alignment with my Facebook output.


Let’s start with the Don’ts:
  1. Don’t post anything negative. Period. If you really need to do so, point out the bad things once, maybe twice. But don’t revel in them. Ranting will probably help you let off steam but it’s actually the digital equivalent of vomiting in public. And yes, maybe you get sympathy for a short time, but usually from the people that also fall out in that area. It only helps to keep you in the bad stuff. Every issue can be tackled from a positive direction too.
  2. Especially don’t try to get sympathies from people by pointing out how bad you feel but leaving the reasons shrouded in mystery. There’s a word for that: attention-seeking. There’s an even worse word for it: energy vampirism.
  3. Try to avoid sharing tons of memes, pictures with mottos etc. Most of that stuff looks positive at first glance, but is really nothing more than pathetic emotionalism and victimhood in disguise. Think about what you want to share. Maybe longer than five seconds. Does it really speak to the deepest healthiest part of you or does it just confirm your own preconceptions (you know, the ones that could use a revision anyway)?
  4. “Okay, I hear you, but there are really great quotes of really enlightened people on Facebook. The Dalai Lama. Rumi. George Takei. Well, maybe not George Takei.” Yes, you’re right. But think about it. Do you want your profile to look like a collection of great thoughts from every wonderful person in the world but you? What about your own original thoughts and inner wisdom? Try to post less of them and more of you. 
  5. Post less trivial stuff. The cat is sitting in a really funny position that you just need to share with all your Facebook friends. Really? Trust me, we have seen the same thing a hundred times before. Same goes for pics of meals or the dirt your kids dragged into the house. Some of it is funny, but most of it is just numbing the senses like fastfood. 

The Dos:

  1. Post what really inspires you in your life. And I don’t mean the next trivial Facebook meme but something that REALLY inspires you. Like, something from real life.
  2. Share the important stuff that you want people to be aware of, like websites of environmental organisations or where to send your money to help people in need. If it’s about a catastrophe, animal slaughter or other deficit, all negative things, ask yourself how you can write your post from a more positive mindset that empowers people to change the situation.
  3. Post what you are thankful for. According to the law of attraction being thankful for something tends to draw more of the same into your life. It’s really a no-brainer.
Well, there are not many Dos on my list, as you can see. Probably because the good reasons for sharing something on Facebook are really not many. Chances are good that you will be posting a lot less when following these rules.
Is that a good thing? I think so.
Because you will be contributing to spread the positive and constructive.
Because your Facebook friends will get a much better idea of the real you.
Because it will help you focus on the things you want. Really want.
Oh, and it also makes your profile look a lot less cluttered too.

And so it is!
Many Blessings

Chris

P.S.: If you come up with any Dos and Don’ts that are not on my list, please let me know!

Dienstag, 13. November 2012

Neue Wege

Copyright 2012 Pixelio / Lia Liana
Ich weiß nicht, wie es euch geht, aber für mich ist die Samhain-Zeit dieses Jahr eine Zeit großer Umwälzungen. Ich halte eigentlich nicht viel von der Idee des Samhainfests als heidnischem Neujahr, aber dieses Jahr liegen Ende und Neubeginn für mich so nah beieinander wie selten zuvor. Schon vor Monaten schrieb ich, dass es Zeit für Veränderungen ist. Und es scheint als seien die inneren Veränderungen, die letztes Frühjahr begonnen haben, nun bereit in der Realität Form anzunehmen.

Ich habe mich in den letzten Tagen von zwei Gruppen verabschiedet, dazu noch von einigen Facebook-Gruppen, und auch die Organisation des Druidenstammtisches Bochum nach anderthalb Jahren in andere fähige Hände abgegeben.
Es fiel mir nicht leicht, das Selbstbild, das damit einherging, aufzugeben, aber mit dem Loslassen kommt unvermittelt neue Energie, neue Freiheit und ein fühlbarer Satz nach vorn. Mit dem Wegfallen der Identifikation als Druide oder Wicca oder irgendetwas fühle ich mich so lebendig und inspiriert wie schon lange nicht mehr. Es war an der Zeit für diesen Schritt.

Ich denke die Veränderungen werden auch hier auf dem Blog spürbar werden. Meine Wurzeln werde ich weiterhin im Schamanismus und den westlichen Mysterien haben, aber es ist Zeit, über diese Wurzeln hinauszuwachsen - oder vielmehr einzusehen, dass dieses Wachstum schon längst stattgefunden hat.
Meiner Meinung nach befinden wir uns auf dem Weg zu einer bunt schillernden Welt-Spiritualität, in der es nicht mehr um Glauben und Dogmen geht, sondern darum, die Erkenntnisse vieler Wege zu einer umfassenden Wissenschaft des Spirituellen zu vereinen. Und darauf freue ich mich.

Montag, 24. September 2012

Das Licht des Wassers - Nachträgliche Betrachtung zu Alban Elfed

Bild von Dr. H. Hoppe / Pixelio | Bearbeitung: ich


Die Herbsttagundnachtgleiche gehörte immer zu meinen liebsten Jahreskreisfesten. Warum? Ich bin eine Waage und damit liegen mir die Themen Balance, Ausgleich, Gleichgewicht besonders nahe. Zudem hatte ich immer einen stärkeren Bezug zu den astronomisch fixierten Festen der Äquinoktien und Sonnwenden, die ich als eher meditativ und introspektiv empfinde als die großen Feste.

Im Druidentum wird die Tagundnachtgleiche Alban Elfed genannt, und auch wenn ich den übermässigen Gebrauch eindrucksvoller Fremdwörter, die mit meiner eigenen Kultur aber gar nichts zu tun haben, eigentlich vermeide, gewährt uns dieser walisische Begriff, den man mit "Licht des Wassers" übersetzen kann, einen großen Einblick in die Natur dieser Zeit und dieses Festes.

Alle der fixierten Feste werden als Lichter bezeichnet: Alban Arthan (Licht des Arthur) ist die Wintersonnwende, Alban Eilir (Licht der Erde) ist die Frühlingstagundnachgleiche, Alban Hefin (Licht der Küste) die Sommersonnwende, und Alban Elfed das Licht des Wassers.

Ohne hier und jetzt auf die anderen Begriffe eingehen zu wollen - schauen wir uns mal den Begriff "Licht des Wassers" an.
Da ist das Licht - Feuer, Wärme, Erleuchtung, das Männliche Prinzip, der Geist. Ein erhellender Strahl, der einen Zeitpunkt markiert.
Und da ist Wasser - das Element des Herbstes, der Auflösung, des Femininen, der tiefen Heilung in den dunklen Urwassern der Welt.
Gemeinsam sind sie die Verschmelzung (nicht Paarung) von Gott und Göttin, das Gleichgewicht der Polaritäten. Das Bild von einem Lichtstrahl, der in einen Kelch fällt, kommt mir dazu in den Sinn.

In der Zeit, in der wir uns nun befinden, beginnt die Natur sich aufzulösen und nach innen zu kehren. Das Feuer des strahlenden Sommers ist noch nicht verloschen, aber es wird verändert durch die abkühlenden, sanften Kräfte des Wassers.
Die stark wechselnden sonnigen und regnerischen Tage in den letzten Wochen sind ein gute Veranschaulichung dieses Vorgangs.

Ich weiß nicht ob meine Deutung dem Ursprung des Begriffs entspricht, aber für mich macht es Sinn.
Es gibt sicherlich noch viel mehr zu Alban Elfed und dem Licht des Wassers zu sagen, aber das soll als Anstoß für eigene Erkenntnisse erst mal reichen, denn mich ruft's gerade zum Essen, und auch das ist wichtig, um sich auf die kommenden kälteren Tage vorzubereiten.

Also, habt einen schönen Herbstanfang!

/|\
Chris

Sonntag, 16. September 2012

Sein

Es ist ein ganz gewöhnlicher Tag. Ich fahre Bus und während ich nach draussen blicke und die Häuser, Bäume, Felder und Menschen an mir vorbeiziehen, ist mein Herz offen und ich fühle mich verbunden mit Himmel und Erde; auf eine ganz unaufgeregte, ruhige Weise. Ich fühle mich leicht und behaglich eingekuschelt in die Welt.

Was ist passiert? Nichts. Ich habe an diesem Morgen weder meditiert, noch mich mit Salbei gereinigt oder mit Göttern gesprochen. Und doch bin ich plötzlich in diesem Zustand, den ich in den letzten Jahren oft herbeigesehnt und doch selten erreicht habe. Völlig mühelos, ohne Absicht, ohne Technik.

Der Zustand hält weiter an, während ich durch die Stadt gehe. Da ist kein Unterschied zwischen den Betonschluchten und dem Wald, in dem ich sonst oft meine spirituellsten Erfahrungen mache. Alles kommt mir gleichermaßen heilig, liebens- und schützenswert vor. Auch die Menschen, die mir begegnen. Oft fällt es mir schwer, das Gute in ihnen zu sehen, aber jetzt ist sehe ich mühelos, dass jeder von ihnen ein Funke Gottes ist und nur seine Version der Realität erschafft.

Ein Teil von mir beginnt den Zustand genauer wahrzunehmen - nicht zu analysieren, sondern einfach nur aufmerksam dafür zu sein, denn noch habe ich eine leichte Sorge, ich könnte es mit zu viel Kopfarbeit zerstören.

Was auffällig ist, ist dass der Zustand völlig stabil ist. Da ist keine Bewegung, keine Gemütsregung im eigentlichen Sinne. Nur ein beständiges Gefühl von Zuhause Sein, Rund Sein, All-Eins-Sein. Und eine milde Freude. Freude, nicht über irgend etwas Konkretes, sondern einfach Freude.

Weil Freude unser ursprünglicher Zustand ist, sagt etwas in mir. Ja, das fühlt sich richtig an.

Du hast in den letzten Wochen und Monaten so viel losgelassen, dass dieser Zustand eine logische Konsequenz ist. In diesem Sinne ist es keine Gnade der Götter, sondern die Arbeit, die du an dir selbst geleistet hast fährt die Stimme fort.

Und doch... Ich realisiere immer deutlicher, dass es keinen spirituellen Weg gibt, sondern nur spirituelles Sein. Wie wir dahin kommen mag sich für uns wie ein Weg anfühlen, aber es kann auch so einfach wie das Umlegen eines Lichtschalters sein.

Für einen Langzeit-Esoteriker wie mich steckt eine wichtige Botschaft in dieser Erkenntnis. Manchmal ist es uns so wichtig, auf einem Weg zu sein, dass wir das Anhalten vergessen, und damit das Sein verpassen.
Wir Menschen sind es, die Spiritualität kompliziert machen, Rituale und Gebete erfinden, uns aufopfern und Götter anbeten, um den Zustand des Im-Kosmos-Aufgehoben-Seins, den wir alle schon mal erlebt haben, festzuhalten.

Die Wahrheit ist so viel einfacher.

Eine schöne Woche!
/|\
Chris

Sonntag, 2. September 2012

Hingabe und Gottformen


Hingabe an eine Gottheit war nie ein großer bewusster Teil meiner spirituellen Praxis. Ich sage bewusst, weil ich ich in letzter Zeit feststelle, dass mein Arbeiten mit Gottformen durchaus immer einen Aspekt der Hingabe beinhaltete, auch wenn ich ihn vielleicht nicht sehen wollte, da ich nicht an Gottheiten als individuelle Wesenheiten glaube.

Der Glaube an individuelle Gottheiten, ob nun eine oder mehrere, erschien mir immer sehr dumm, geradezu verrückt. Mein Gottesbild ist eher monistisch und pantheistisch. Für mich ist das Universum in seiner Gesamtheit Gott. Ein allumfassendes Bewusstsein das sich selbst noch in Entwicklung befindet - durch uns und in uns lernend. Es zu verehren wäre absurd, denn es ist untrennbar mit mir verwoben, und warum soll ich einen Aspekt von mir selbst auf ein Podest stellen?

Die individuellen Gottgestalten, derer ich mich durchaus in meiner Praxis bediene, sind für mich also keine individuellen, übernatürlich Wesen, sondern zum Teil anthropomorphe Symbole für die Kräfte des persönlichen oder kollektiven Unbewussten. Als solche helfen sie mir, Bewusstseinsanteile zu mobilisieren, auf die mein denkender Verstand sonst keinen oder nur wenig Zugriff hat.

Als ich meinen Mann kennenlernte, der sich schon damals für östliche Wege interessierte, während mich eher der westliche Weg ansprach, war eine der ersten Aussagen zum Thema Spiritualität, die seitdem stark in meinen Gedächtnis haften geblieben ist, dass es im Osten Traditionen gibt, in denen für jedes Körperteil eine eigene Gottheit zuständig ist.

Ich habe das nie nachgeprüft und weiß auch nicht, um welche Traditionen es sich handelt (yogische, würde ich vermuten). Der Gedanke erschien mir aber faszinierend und logisch. Der Gott des Körperteils ist demnach nichts anderes als das Körpergedächtnis des jeweiligen Organs, wahrscheinlich korrespondierend mit anderen Aspekten der inneren und äußeren Welt. So zumindest habe ich mir diese Sache erklärt. Und ich kann mir gut vorstellen, dass Gottheiten in früheren Zeiten als genau das genutzt worden sind, auch im Westen, und zumindest in den entsprechenden Mysterienschulen - als Metaphern und magische Meditationshilfen.

Irgendwo auf dem Weg scheint den meisten Kulturen dieses Wissen jedoch abhanden gekommen zu sein und eine Art Gefolgschaftsreligiosität entstand. Gehorche Shiva/Zeus/Jesus und alles wird gut. Na klar. Und so verbrennt der Mensch seinen Weihrauch, spricht seine Gebete und opfert entgegen allem gesunden Menschenverstand sein letztes Schwein, in der Hoffnung, dass er sich damit als guter Christ/Hindu/Heide erweist. Hoffentlich, vielleicht, möglicherweise bringt es ja was.

Aber das ist nicht das, was ich inzwischen unter Hingabe verstehe (und hiermit bin ich wieder bei meinen neuesten Erkenntnissen angelangt).
Hingabe ist eine bewusste Technik der Ich-Aufgabe, angewandt im vollen Wissen dass das Objekt der Hingabe ein Mittel zum Zweck ist - nämlich die Teile des eigenen Selbst anzusprechen, die dem bewussten Ich verborgen bleiben, aber durch den kreativen Umgang mit der Gottesform Gestalt annehmen.
Natürlich funktioniert zumindest in manchen Traditionen auch die unbewusste Form der Hingabe, wenn sie als Stadium verstanden wird, und damit irgendwann einen größerem Verständnis der Wirklichkeit weicht. Aber das sehe ich selten. Viel häufiger verharren Menschen in ihrem Aberglauben und erbeben ihn zum Dogma. Ja, auch in der naturspirituellen Szene.

In den letzten Monaten hatte ich jegliche Arbeit mit Gottgestalten abgelegt, weil mir Vieles an der Arbeit mit ihnen nicht klar war, aber  inzwischen spüre ich, dass etwas fehlt. Die konkrete Hingabe an einen Aspekt des Göttlichen.
Ich werde sie wohl wieder aufnehmen, denn ich habe keinen adäquaten Ersatz dafür gefunden.

Muss ich dafür an die individuelle Existenz von Gottheiten glauben? Nein, ganz im Gegenteil. Das Wissen, dass die Welt - die innere wie äußere - komplexer ist, aber mein Bewusstsein durch die Verwendung von Gottformen Zugang zu größeren Zusammenhängen bekommt, ist weitaus faszinierender für mich, als es die wortwörtliche Existenz von Göttern je sein könnte. Soll das kreative Selbst doch mit seinen Püppchen spielen, wenn dafür für mich solch wertvolle Erkenntnisse abfallen.

In diesem Sinne einen schönen Septemberanfang euch Allen!

/|\
Chris

Samstag, 18. August 2012

Das Druidische Friedensgebet als Meditation

Foto: Copyright by Pixelio/Twinlilli

Tief im stillen Zentrum meines Seins möge ich Frieden finden.
Schweigend in der Stille des Hains möge ich Frieden teilen.
Sanft im größeren Kreis der Menschheit möge ich Frieden verströmen.*

Vor einiger Zeit habe ich angefangen auf das Druidische Friedensgebet zu meditieren und dabei eine frappierende Ähnlichkeit zur buddhistischen Metta- (oder Liebende-Güte-) Meditation festgestellt.


Möge ich glücklich sein.
Möge (Name einer Person, die uns nah steht) glücklich sein. 
Möge die ganze Welt glücklich sein.

Zufall? Oder zeigt sich hier eine Weisheit, die an den Wurzeln beider Traditionen liegt?
Hier und heute will ich eher auf die Wirkungsweise und weniger auf den Ursprung der beiden Texte eingehen, angefangen mit dem Grundaufbau.

Die Reihenfolge der Sätze beider Meditationen (wenn man erstere denn als solche nutzt) folgt einer Bewegung der Aufmerksamkeit von innen nach außen. Dabei wird jedem der drei Kreise liebevolle Aufmerksamkeit geschenkt; angefangen bei uns selbst (was den meisten noch am Leichtesten fällt), dann zu einer befreundeten Person - oder im Fall des Druidengebets einem kleinen Personenkreis -  übergehend, und schließlich in der gesamten Schöpfung aufgehend. Das ist logisch und dürfte sich für die meisten Menschen stimmig anfühlen.

Die Wirkung ist für mich unmittelbar spürbar: Ich fühle mich klar, friedvoll, liebevoll und in Harmonie mit meiner Umwelt. Ein Zustand, der mich auch den ganzen Tag über mehr aus der Mitte und aus der Weisheit handeln lässt.

Frieden, Friedfertigkeit und Gewaltlosigkeit sind für mich zentrale Bestandteile des druidischen Weges, wenn auch nicht so extrem, dass ich jeden Käfer und Einzeller beklage, der eventuell bei einem Waldspaziergang unter meinem Schuhsohlen das Zeitliche segnet. Ich kann nicht für den Buddhismus sprechen, aber das Druidentum ist eine naturzentrierte Tradition und sich der Tatsache bewusst, das der Tod Teil des Lebens ist. 

Als Druide bin ich nicht weltfremd genug, um einen absoluten (und meiner Meinung nach auf einem falschen Verständnis des Lebens basierenden) Pazifismus zu leben. Ich töte vermutlich jeden Tag Abermillionen von Bakterien in meinem Körper und nehme in Kauf, dass jemand mein Essen getötet hat, bevor ich es verzehre. Und ja, ich esse Fleisch und halte das Schonen von tierischem Leben aus Gründen der Gewaltlosigkeit bei gleichzeitigem Töten von Pflanzen für große Scheinheiligkeit.
Insgesamt halte ich es lieber mit den Amerikanischen Ureinwohnern: achtsam durchs Leben (und durch die Natur) zu gehen, zu nehmen was man braucht und unnützes, grausames Töten vermeiden.
Wirklicher Friede beinhaltet auch, den natürlichen Kreislauf des Lebens zu akzeptieren.

Aber zurück zur Meditation. Eigentlich wollte ich schildern, was die Friedensmeditation mit mir macht, und warum ich manchmal die buddhistische Version, und mal die druidische, bevorzuge. Beide Mediationen nutzen die Kraft des (gesprochenen oder gedachten) Wortes. Sprache ist Macht und Magie, aber nur dann, wenn sie gezielt Emotionen hervorzurufen imstande ist, wofür wir uns bewusst öffnen müssen.

Die Worte der buddhistischen Metta-Meditation sind einfach, knapp und klar:

Möge ich glücklich sein.

Ein eindeutiger Wunsch nach Freude, Frieden und Wohlbefinden, präzise und auf den Punkt, der mich augenblicklich innerlich lächeln lässt und das Glück umgehend erfahren lässt.

Die druidische Version ist für mich weniger unmittelbar, aber ihre vielen Schlüsselworte führt mich in einen tieferen, vielschichtigeren  Zustand des Gewahrseins.


Tief im stillen Zentrum meines Seins
Meine Aufmerksamkeit wird nach Innen in die dunklen,nährenden Bereiche meines Bewusstseins gezogen.

Möge ich Frieden finden
Die Entsprechung des buddhistischen Textes, wobei Frieden und Glück (und Freude) für mich sehr nah beieinander liegen. Mit dem einen entstehen auch die beiden anderen.

Schweigend in der Stille des Hains
Der Hain ist im Druidentum nicht nur ein Ort des Heiligen und des Friedens sondern auch die Gemeinschaft der Gruppe selbst. Mit anderen Menschen zu schweigen, in Stille zu sein, ist etwas, das in der heutigen Welt kaum noch vorkommt, aber großes Potential für Heilung wie auch (paradoxerweise) eine Steigerung der Kommunikationsqualität für das Individuum wie auch die Gruppe besitzt. Der Satz "Mit guten Freunden muss man auch schweigen können" fällt mir dazu ein.

Möge ich Frieden teilen
Die Aufmerksamkeit wird wie in der Metta-Meditation vom Selbst auf ein Gegenüber (oder Mit-über?) erweitert. Erst wenn man gelernt hat sich selbst zu lieben und anzunehmen, kann man auch den anderen wahrhaft wertschätzen. Austausch und eine gemeinsame Erfahrung entstehen, sogar wenn wir allein für uns meditieren, denn auf den nichtmateriellen Ebenen gibt es keine räumliche Distanz.

Sanft im größeren Kreis der Menschheit
Sanft und mit Bedacht mit seinen Mitmenschen umgehen - fast schon ein Hohn in unserer konkurrenzbetonten Gesellschaft, und gerade deshalb so wichtig, wenn wir wirklichen Frieden leben wollen. Und das auf jeder Ebene: im Freundeskreis, im Berufsumfeld, in der Politik.

Manche Druiden ersetzen Menschheit auch gern durch Lebewesen, um die Reiche der Tiere und Pflanzen einzuschließen. Dazu tendiere ich ebenfalls, wobei ich denke, dass ein besserer Umgang mit den Mitmenschen automatisch auch eine gesteigerte Aufmerksamkeit unseren vierbeinigen, geflügelten, geschuppten und Chlorophyll-produzierenden Mitwesen zur Folge hat. 

Möge ich Frieden verströmen
Die volle Realisation des Friedens in uns selbst und mit unserer Umwelt erzeugt einen Überfluss an friedvoller, liebevoller Energie, den wir bereitwillig in die gesamte Schöpfung hinausschicken. Wenn ich an diesem Teil der Meditation angelangt bin, ist diese Kraft spürbar gegenwärtig.

So weit meine Gedanken zum druidischen Friedensgebet. 

Wer es nachmachen möchte: Ich meditiere auf jeden Satz ca. 10 Minuten, wobei es oft reicht, mir den Satz ein- bis dreimal in Gedanken zu sagen um in den richtigen emotionalen Zustand zu kommen. Sollte ich merken, dass ich wieder aus dem Zustand herausfalle, vielleicht weil andere Gedanken aufkommen, reicht es die Aufmerksamkeit liebevoll auf den Satz zurückzulenken. Das ist am Anfang sicher nicht für jeden so leicht, wie es sich anhört, aber auch in der Meditation gilt der alte Leitsatz: Übung macht den Meister. Das Stichwort dabei ist: Nachsicht mit sich selbst. ;)

Ich hoffe ihr könnt etwas davon mitnehmen und die Kraft des Friedens wirkt auch bald in eurem Leben, wenn sie das nicht schon tut.

Alles Liebe
Chris 


*Meine Übersetzung des englischen Originals, das da ist:
Deep within the still center of my being may I find peace.
Silently within the quiet of the Grove may I share peace.
Gently within the greater circle of humankind may I radiate peace.

Mittwoch, 25. Juli 2012

Pure Präsenz

Bild: Pixelio/Dieterwald Bearbeitung: ich

Es ist schon wieder eine Weile her dass ich hier gepostet habe. Kein Wunder... in den letzten Wochen hat die Renovierung unserer Wohnung einen Großteil meiner Freizeit gefressen, worunter auch meine spirituelle Praxis gelitten hat. Es ist schon merkwürdig zu sehen, was mit einem geschieht, wenn es plötzlich kein Gefühl von Zuhause mehr gibt, weil jedes Zimmer aussieht wie eine Baustelle. Statt die restlichen Stunden zu nutzen, wieder in Harmonie zu kommen, sitze ich wie ein weidwundes Tier in meinem Arbeitszimmer, um die Zeit mit trivialen Fernsehserien zu überbrücken - bis zur nächsten Renovierungswelle.
Gestern habe ich mir - nachdem ich wieder mal stundenlang auf der Suche nach den richtigen Teppichleisten durch die Weltgeschichte gegondelt bin - ein Herz gefasst und den wunderbar sonnigen Abend dazu genutzt, in den nahen Wald zu gehen. Die Mondsichel stand bereits am Himmel, als ich auf dem abgeernteten Feld unweit des Waldrandes stand um das Licht der Sonne in mich aufzunehmen. Ein perfekter Moment ohne große Zeremonie, der für mich bereits die Energie von Lughnasadh vorwegnahm, das offiziell Anfang August gefeiert wird, aber sich logischerweise ohnehin eher nach der örtlichen Ernte richten sollte.
Ich zog weiter zu meinem üblichen Kraftort, und auf dem Weg wurde mir bewusst, dass etwas anders war als in den letzten Monaten. Ich weiß nicht, ob ich dieses Gefühl jemals zuvor dermaßen stark erlebt habe, aber da war es. Nicht ganz unbekannt, aber mit einer völlig neuen kristallklaren Qualität: pure Präsenz.
Kein Nachdenken, kein Erinnerungen durchwühlen, kein Pläne schmieden. Stattdessen das Spiel von Licht und Schatten, Wärme und Kühle auf meiner Haut, die Gegenwart der Bäume, der Duft der Pflanzen und etwas, dass sich anfühlte, als würde ich mit dem Wald atmen und in ihm aufgehen, jegliche menschliche Identität ablegen.
In Zeiten wie diesen kommt mir die Welt realer vor, so als würde sie von innen leuchten. Und Alles ist erfüllt von Kraft, Bedeutung und Bewusstsein.
Wenn Druidentum für mich ein Ziel hat, dann dieses. In diese pure Präsenz und All-Einheit kommen, vielleicht irgendwann zum normalen Modus werden zu lassen. Ich glaube dass die Welt ein anderer, besserer Ort wäre, wenn wir das Alle ständig erleben könnten.
Keine Sorge, ich weiß, dass noch ein Artikel aussteht, in dem ich meine Definition von Druidentum darlege, und er wird kommen. Vorerst aber reicht es mir, zu wissen, dass Druidentum einen spürbaren Effekt auf mich hat. Und die Suche nach Heimat überraschenderweise mit der Erkenntnis endet lässt, dass die ganze Welt mein Zuhause ist.

Mittwoch, 4. Juli 2012

Kerzenmagie

Eine kurze Anleitung zur Wunscherfüllung mit Kerzenmagie. Der Film entstand spontan in einem Moment tiefer Stille eines Nachts in meiner Küche... ein Augenblick voller Potential, den ich einfach mit meinem iPad einfangen musste. Der Song The Colour of Leaves stammt von Ivo Sedlacek.


Donnerstag, 14. Juni 2012

Die Sieben Gaben des Druidentums

Mein heutiger Post fällt abermals visuell aus, diesmal jedoch von mir selbst in Szene gesetzt. Von den Sieben Gaben gibt es einige englische Versionen, eine deutsche fehlte (meines Wissens) aber bisher noch - bis jetzt. Ich hoffe es gefällt!



Freitag, 8. Juni 2012

Kernunnos

Heute gibt's eine Botschaft, die ich in dieser Form noch nicht gesehen habe. Und die Umsetzung von 3d-Künstlerin Sara Lazzeroni sucht ihresgleichen in der Heidenszene.

Donnerstag, 7. Juni 2012

Die Elemente im Ritual

Fotograf leider unbekannt. Ich hab's trotzdem genommen.

Welche Rolle spielen die Elemente - Luft, Feuer, Wasser, Erde - in deiner spirituellen Praxis? Wie verbindest du dich mit ihnen im Ritual? Beschwörst du Elementewächter oder die Elemente selbst? Glaubst du dich vor den Elementen im Ritual schützen zu müssen, sie filtern zu müssen, oder vertraust du der Tatsache, dass du selbst aus den Elementen bestehst, die Tag für Tag auf intelligente Weise zusammenarbeiten, um dich am Leben teilhaben zu lassen?
Wo spürst du die Verbindung zur Luft? 
Auf einer Bergspitze, wo der Wind an deiner Kleidung reisst? Beim Abräuchern deiner Wohnung mit Salbei oder Beifuß? Im Kommen und Gehen deines Atems?
Wo spürst du die Verbindung zum Feuer? 
Mit Freunden am Lagerfeuer sitzend? Beim Entzünden der Kerzen auf deinem Hausaltar? In den Strahlen der Sonne auf deiner Haut? Deiner eigenen Körperwärme?
Wo spürst du die Verbindung zu Wasser? 
An der Quelle im Wald sitzend? Bei einem entspannenden Bad in der heimischen Badewanne? Im Rauschen deines Blutstroms? An der Spüle, wenn du ein Glas Wasser trinkst oder den Abwasch erledigst?
Wo spürst du die Verbindung zur Erde? 
In deinem Garten, das Gras aus der Perspektive der Salamander und Bienen betrachtend? Bein Berühren eines Baumes oder beim Arbeiten mit Heilsteinen? Am Esstisch, wenn die Familie zusammenkommt um ein gemeinsames Mahl einzunehmen? Beim Sport, wenn du deinen Körper so deutlich spürst wie bei keiner anderen Aktivität (außer Sex)?
Die Elemente sind die größten Kräfte auf dieser Erde, sie sind ein Teil von dir, und du ein Teil von ihnen. Sie sind mächtige Zerstörer, aber oft vergessen wir, dass sie auch mächtige Erschaffer sind und ohne Unterlass unbemerkt in unserem Alltag wirken, in den alltäglichsten Dingen.
Dies sind die Aspekte der Elemente, mit denen ich mich in meiner spirituellen Praxis verbinden will (ohne die gewaltigen und furchteinflössenden Aspekte zu ignorieren, denn letztendlich ist es ein Spektrum, und naturspirituelle Menschen tendieren ohnehin dazu, Dinge in ihrer Ganzheit anzunehmen).
Wenn es dir hilft, die Elemente als Wächter mit ihren korrekten Elementefarben und magischen Werkzeugen gleich den Prinzen des Tarot oder als Elementekönige nach Paracelsus zu visualisieren - super. Aber es gibt einen einfacheren Weg, sie in deinen Kreis einzuladen.
 Im Osten werde dir der Luft gewahr, die du atmest oder erinnere dich an die kühle Brise im Urlaub am Nordseestrand vor zwei Monaten, als du jeglichen Arbeitsstress von dir geworfen hast und so richtig aufatmen konntest.
Im Süden vergegenwärtige dir die Sonne auf deinem Gesicht (wenn sie da ist) oder erinnere dich an die Hitze des letzten Saunagangs, visualisiere die wärmende Flammen eines behaglichen Kaminfeuers.
Im Westen spüre die Feuchtigkeit deiner Mundhöhle, den Schweiß auf deiner Haut, stell dir vor, in eine große Welle zu springen oder erinnere dich an das schwerelose, fließende Gefühl eines Salzwasserbades.
Im Norden balle deine Fäuste und spüre die Festigkeit deines Körpers, der es dir erlaubt, dich in der dreidimensionalen Welt auszudrücken, oder stell dir vor, dich auf einem warmen, trockenen Felsen oder auf der Wiese im Park zu räkeln.
Magische Bücher und Ritualanleitungen sind toll, aber es gibt Tausende von physischen Brücken und einfachen aus dem Leben gegriffenenVisualisierungen um in Kontakt mit den Elementen, wie sie in deinen Leben wirken, zu kommen. Und wann immer ihr könnt: Geht nach draussen für eure Rituale. Es ist immer besser, sich der Elementen gewahr zu werden, weil sie ohnehin gerade anwesend sind, als sie mühsam visualisieren zu müssen. Lasst uns bei allem esoterischer Anspruch nicht den gesunden Menschenverstand vergessen, denn das Einfachste ist oft auch das Effektivste.


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Chris



Dienstag, 29. Mai 2012

Selbstausrichtung



Ich bin ein Kind des schöpferischen Universums.
Ich bin klar, kraftvoll und kreativ.
Ich erschaffe mein Leben aus der Fülle der Möglichkeiten.
Niemand anders kann mir diese Aufgabe abnehmen -
kein Mensch, keine Organisation, kein Gott.
Meine Energie fließt mit der Aufmerksamkeit.
Meine Aufmerksamkeit ist wie ein Laserstrahl - präzise und auf den Punkt.
Wachstum, Heilung, Ganzheit und Weisheit stehen im Zentrum meines Seins.
Mühelos wandere ich auf dem Grad zwischen Licht und Dunkel, Schöpfung und Zerstörung,
und werde vom Licht des Einen Bewusstseins geleitet das ich bin.

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Chris

Donnerstag, 24. Mai 2012

Jenseits von Schubladen

"Wer sich selbst treu bleiben will, kann nicht immer anderen treu bleiben."
Christian Morgenstern

Bild von Günther Dotzler / Pixelio | Bearbeitung: ich

Um den nächsten Schritt zu tun ist es manchmal gar nicht notwendig zu wissen, wo man hin will. Viel wesentlicher ist es alte Selbstdefinitionen hinter sich zu lassen und den Sprung ins Ungewisse zu wagen.

Seit geraumer Zeit schon habe ich meine geregelten Schwierigkeiten, mich als Druide, Hexer, Heide oder was auch immer zu bezeichnen. Ich praktiziere druidische Methoden und Hexenkunst, aber ich habe zunehmend das Gefühl, dass eine einzige Tradition oder eine Bezeichnung nicht der Komplexität menschlicher Persönlichkeiten oder des Lebens gerecht werden kann.
Vorgefertigte Selbstdefinitionen drängt uns nicht nur die herrschende Kultur auf, auch jede Szene und spirituelle Gemeinschaft hat ihre Schubladen und Rollenbilder. Sehr schnell werden diese zu sozialen Nischen, komplett mit uniformer Tracht und uniformem Denken. Es geschieht ganz unmerklich. Man ist froh, Menschen gefunden zu haben, die (vermeintlich) die eigene Lebensphilosophie teilen. Und plötzlich lebt man sein Leben und seine Spiritualität nicht mehr im großen Kreis der Menschheit, sondern als Fragment seiner selbst in einer separierten Szene mit ihren eigenen Dogmen (ob ausgesprochen oder nicht, sie sind da), Regeln und Konformitäten.

Auf dem westlichen Weg arbeiten wir oft mit gezielten Identifikationen, während die Traditionen des Ostens von vornherein auf ein Ablegen sämtlicher Selbstdefinitionen aus sind. Der gemeinsame Nenner ist die allmähliche Ablösung von einem starren von der Gesellschaft geprägten Selbstbild.
Die Heidenszene verführt allerdings oft dazu, genau das Gegenteil zu tun. Ein neues starres Selbstbild wird erschaffen und bis aufs Blut verteidigt. Ich sehe Einordnung in bestimmte Sparten, Zementierung des Selbst und oft sehr wenig Bereitschaft zu wirklicher Transformation und Weiterentwicklung. Plötzlich ist man Lord Anthrazit oder Lady Purpurhase. Und wer kann der Verlockung solcher Titel schon widerstehen? ;)

Aber ich will die Szene nicht komplett verteufeln. Die Rollenbilder können, wenn man sie kreativ nutzt, als sinnvolle Spielvorlagen dienen. Man sollte sie nur nicht zu ernst nehmen und erkennen, wann es Zeit ist, ihnen zu entschlüpfen.
Für mich ist es an der Zeit. Der nächsten Schritt steht an. Vielleicht wird sich meine Praxis in Zukunft drastisch verändern, vielleicht auch nicht, aber ich muss erst mal von bestimmten Aspekten meines spirituellen Lebens ablassen, besonders denen, die ich mit Gruppen teile. Vielleicht ist es nur eine innere Veränderung oder eine graduelle Verschiebung der Prioritäten. Aber ich merke, dass es sich falsch anfühlt, mich weiter mit der heidnischen Gemeinschaft zu identifizieren. Nicht, weil ich sie grundsätzlich schlecht finde, sondern weil sie wie Alles auch Grenzen hat und ich das deutliche Gefühl habe, dass meine Seele über diese hinaus wachsen will. Man kann einem Weg folgen oder dem Selbst, aber auf Dauer nicht beiden gleichzeitig.

Vielleicht ändert sich gar in Zukunft der Titel dieses Blogs (auch wenn ich ihn mittlerweile echt mag. Plakative Begriffe haben auch ihre Vorteile). Mal sehen. Ich freue mich jedenfalls auf das unbekannte Terrain, das vor mir liegt.

Und noch ein Zitat zum Abschluss, diesmal von Ramana Maharshi:
"Finde den Ursprung des Ichs. Dann werden alle Schwierigkeiten verschwinden und das reine Selbst allein wird bleiben."

Sonntag, 13. Mai 2012

Der richtige Weg

Bild von Ivi/Pixelio | Bearbeitung: ich
Frage einen durchschnittlich astrologisch gebildeten Menschen nach dem entscheidungsunfreudigsten Sternzeichen und die Antwort fällt garantiert auf: die Waage.
Ich bin eine Waage. Impulsive Entscheidungen erscheinen mir wie der blanke Wahnsinn. Oft brauche ich unheimlich lange, um zu einer Entscheidung zu gelangen, entscheide mich mehrfach hin und her, und je größer die Tragweite der Entscheidung, umso länger  brauche ich.  Das ist nicht so, weil ich keine Impulse oder Gefühle zu dem jeweiligen Problem habe. Aber ich bevorzuge es, Dinge erst aus allen Blickwinkeln zu betrachten und alle Möglichkeiten zu erwägen (sic!) bevor ich handle. Aus meiner Sicht ist das ganz klar der beste Weg eine gute Entscheidung zu treffen.
Das das Ganze aber auch zu einer Manie werden kann, habe ich in den letzten Wochen und Monaten gemerkt. Ein Grund mal meinen Entscheidungsprozess genauer unter die Lupe zu nehmen. Eine der wichtigsten Fragen die ich mir stellte war: Wann hört das angemessene Abwägen auf und die Entscheidungslosigkeit selbst wird zur Haltung - vielleicht um eine Entwicklung zu verhindern oder den nächsten Schritt nicht tun zu müssen?
Ich habe meine Antwort bekommen, aber wie sieht es bei dir aus? Wie triffst du Entscheidungen? Hörst du auf deinen Kopf, deinen Bauch, deine Seele? Auf eins davon? Auf alle? Wie fühlt sich dabei dein Körper an? Traust du deiner Inneren Stimme, den Geistern oder Göttern, mit denen du arbeitest? Welcher Teil von dir segnet den Beschluss ab? Wie oft wird die Qual der Wahl zur Wahl der Qual? Und geht es auch anders?
Ich hoffe doch. Denn das Leben ist kein Denkspiel, sondern will erfahren werden, manchmal mit Fehlentscheidungen oder Rückschlägen. Trial and error. Warum auch nicht?

Einen schönen Sonntag wünscht
Chris

Freitag, 4. Mai 2012

Des Waldes Zuflucht

Mit einem Schauspieler nachgestellte Spielszene
Wenn es mich in den Wald um die Ecke zieht wird in den meisten Fällen eine kleine Pilgerreise daraus. Eine Arbeit, die zum größten Teil am Zeichentisch und mittlerweile auch am Rechner stattfindet kann unterschwellig ganz schön schlauchen, ein Umstand, der mir oft erst in seinem vollen Ausmaß bewusst wird, wenn ich mich auf die langsamere Geschwindigkeit des Waldes einlasse. Aus diesem Blickwinkel kommt mir mein Alltag vor wie ein Tom & Jerry Cartoon, und das obwohl ich wahrscheinlich den mitunter ruhigsten Job habe, den man sich in dieser Gesellschaft vorstellen kann.
Und so öffne ich mich, wann immer ich mir die Zeit nehme meine Plätze im Wald zu besuchen, ganz bewusst für den anderen Zeit- und Lebensstrom und die feinstofflichen Energien, die mir heute ganz besonders stark vorkommen. Vielleicht weil ich in den letzten Tagen einfach zu viel Zeit in Betonlandschaften verbracht habe. Ich vergesse noch immer leicht, dass der Aufenthalt im Grünen im wahrsten Sinn des Wortes meine Batterien neu auflädt.
Ich berühre Blätter, lege meine Hand an eine alte Buche und fühle augenblicklich das Leben unter der Rinde. Verwunderlich, dass Menschen das im Allgemeinen nicht mehr wahrnehmen. Und erfreulich, dass meine Feinfühligkeit inzwischen so ausgeprägt ist, dass ich es mühelos spüre, ohne dass sich wie früher der zweifelnde Teil meines Verstandes einmischt.
Dieselbe Feinfühligkeit ist es, die mich veranlasst die ausgetretenen Wege zu verlassen und seitlich in den Wald einzutauchen. Dieser Teil wird fast ausschließlich von jungen Buchen beherrscht. Es zieht mich merklich zu einer Stelle hinter einem Erdwall, der das gesamte Waldstück durchzieht. Als ich auf dem Wall stehe sehe ich was mich anscheinend gelockt hat. Direkt vor mir hat jemand sorgsam einen Unterstand aus dicken Ästen gebaut, ein weiterer kleinerer mit einer Plastikplane überzogener steht direkt daneben. Kinder? Wohl kaum. Zu durchdacht wirkt die ganze Konstruktion. Mir wird etwas mulmig und die in meiner Kindheit eingezimmerten Warnungen meiner Mutter vor bösen Männern an seltsamen Orten kommen mir in den Sinn. Wahrscheinlich ist die Wahrheit einfacher und weniger sensationell: Ein Obdachloser aus der Stadt wird sich hier einen Schlafplatz eingerichtet haben. Erstaunlich. Wie mag sich so ein Leben anfühlen, am Rande der Gesellschaft, so nah an einem im Wald hausenden Eremiten wie man heute nur sein kann?
Da ich niemanden stören will - aber noch vielmehr weil ich das Gefühl habe dort sowieso niemanden vorzufinden - kehre ich um und gehe zu meinem Kraftort, einer Stelle im Wald an der sich kleine Wasserrinnsale einen Weg unter den Wurzeln einiger großer Buchen ins Tal gegraben haben, wo sie den Bach speisen. Dort gibt es einen natürlichen Hochsitz zwischen den Wurzeln, genau zwischen zwei kleinen Quellen, wo ich für gewöhnlich sitze und bei einer Räucherung meditiere, während ich meine Kraftsteine vom fließenden Wasser reinigen lasse.
Der Ort ist nicht ganz unbeliebt bei den örtlichen Jugendlichen, zumindest finde ich immer wieder leere Flaschen. Und diesmal sogar eine Motorhaube in einem der Bäche, mit der spielende Kinder offensichtlich versucht haben, Wasser aufzustauen - natürlich vergeblich. Ich widerstehe dem Drang, das Teil sofort zu beseitigen und beziehe es stattdessen in meine Meditation mit ein. Gibt es hier eine Botschaft für mich?
Ich zünde meinen Beifuß in der Muschel an und lasse den Rauch zum sonnigen Himmel steigen. Bei nichts anderem fühle ich mich so verbunden mit der Welt. Kein großes Ritual, einfach nur bewusstes, aufmerksames Räuchern.
Erst nach der Meditation fällt meine Aufmerksamkeit wieder auf das sperrige Metallteil vor mir. Ich fische meine Steine aus dem Wasser und gehe hinüber, um es aus dem Bachlauf zu hieven. Darunter finde ich zu meiner Überraschung einen zurammengerollten, leuchtend gelb-schwarzen Feuersalamander, der offenbar dort Zuflucht gefunden hat. Nur mühsam scheint er aus dem Dämmerschlaf zu erwachen, seines Unterschlupfes beraub und zu viel Licht ausgesetzt. Schliesslich rappelt er sich auf und zieht benommen weiter, lässt sich in eine mit Wasser gefüllte Ausbuchtung des Wasserlaufs gleiten, wo nur noch sein Kopf aus dem Wasser guckt.
Schon eigenartig. Während Menschen der Stadt entfliehen und Zuflucht unter dem Blätterdach suchen, finden Tiere sie unter dem Schrott unserer Wegwerfkultur. Die Natur ist halt praktisch.

Epilog: Als ich nach Hause komme und meinem Mann von dem Salamander berichte, nennt er ihn Meistersalamander und lacht. Klar, denke ich nach ein paar Sekunden angestrengten Nachgrübelns. Schwarz-gelb. Borussia. Meistersalamander. Ist doch ganz klar, oder?

Donnerstag, 3. Mai 2012

Druidentum oder Der Geschmack des Apfels Teil II

Seltsam Gewandete in Stonehenge: Not my cup of tea (dachte ich).

Als ich zum ersten Mal vom Druidentum hörte fand ich die Idee schrecklich albern, aber irgendwie auch faszinierend. Es muss wohl in einem dieser Zeitschriftenartikel gewesen sein, in denen sich vernünftige Menschen über alle Arten Arten von Aussenseitern amüsieren, so auch die weißgewandeten Käuze, die Jahr für Jahr in Stonehenge die Sonne anbeten.
Das Bild grub sich irgendwann während meiner Kindheit ein und liess mich wohl nie ganz los, denn in den Jahren danach sollte ich so manchen Magier oder Druiden in weißen Roben und mit langem Bart zeichnen. Stets war er gut, weise, würdevoll,nicht ganz von dieser Welt und - solo.
In meinen Teeniejahren interessierte ich mich auch für alles Spirituelle, aber für mich waren das völlig getrennte Welten. Das eine war Fantasy-Mummenschanz, den ich auch liebte, aber eben als Fiktion, das andere eröffnete mir in der mehr oder minder wissenschaftlichen Sprache, die intellektuelle Teenager wie ich es einer war liebten, gänzlich neue Erfahrungswelten. Beide Welten kamen praktisch zusammen, als ich mit ca. 18 Schamanismus und Hexentum, und damit eine intuitivere und praktischere Herangehensweise an Spiritualität, für mich entdeckte.
Ich muss in dieser Zeit wohl auch das Druidentum wieder entdeckt haben, diverse Leute, die ich auf meiner Suche traf, waren sogar der Meinung ich sei einer, aber ich verwarf es schnell; denn A, ich war kein Kelte, und B, Stonehenge war zu weit entfernt, um dort ständig abzuhängen.
Außerdem schienen mir die Rituale, so weit sie sich mir in Fotos erschlossen, viel zu pompös und intellektualisiert, und ich hasste es mich zu verkleiden, schon zu Karneval. Ich sollte wohl zur besseren Erklärung dazu sagen, dass ich zwar total verkopft war, aber in meiner Spiritualität, zumindest seit ich den Schamanismus gefunden hatte, eher das Gegenteil suchte - Intuition, Gefühl, Leidenschaft, Einfachheit.
Wie dem auch sei, es vergingen einige weitere Jahre, in denen ich Alles praktizierte, was mir sinnvoll erschien, ohne einem bestimmten Weg zu folgen (eigentlich mache ich das immer noch so).
Mit dem Einzug des Computers in meinen Haushalt 2002 (ja, ich war ein Spätzünder und bin noch heute technophob, man mag es kaum glauben) erfolgte auch die große Vernetzung mit anderen Naturspirituellen, übers Netz wie auch auf Stammtischen der Pagan Federation.
Plötzlich hatte ich eine Menge Optionen und ich entwickelte den Wunsch einer bestimmten Tradition folgen zu wollen. Ich erwog sowohl den Druidenkurs des OBOD (inzwischen hatte ich mich näher informiert) wie auch einen Kurs bei Silver Circle, einem Zentrum für Wicca, in den Niederlanden. Der Vorteil des letzteren war: ich würde persönliche Lehrer haben, die ich bereits kannte und mochte. Also: wieder kein Druidentum. Seltsamerweise jedoch sollte die Farbwahl meines ersten Gewandes auf weiß fallen...
Um die Sache kurz zu machen: Wicca war in den nächsten Jahren interessant und gab mir viele wichtige Werkzeuge an die Hand, ich wurde initiiert und genoss das Arbeiten in einer kleinen verschworenen Gruppe, jedoch gab es auch genau so viel daran was mich befremdete. Als die Gruppe zerbrach war ich an einem Punkt, wo ich nur noch wenig Sinn sah, mit Wicca weiterzumachen. Wieder einmal auf einer PFI Konferenz fiel mir ein Flyer in die Hand, in dem ein Workshop von Philip Carr-Gomm, dem gewählten Oberhaupt des OBOD, an den Externsteinen angepriesen wurde. Der Flyer war hübsch, mit viel Grün und positiver Ausstrahlung, beides Dinge, die ich im Wicca seit geraumer Zeit nicht mehr gesehen hatte. Selbst Carr-Gomms Aussehen mit dem gelassenen Blick und den jungenhaften Locken weckte in mir den vagen Hoffnungsschimmer, dass es vielleicht doch eine passende Richtung für mich gab.
Ich fuhr zu den Externsteinen und von da an hatte es mich gepackt.

Aber was war es nun, um mal wieder zum ursprünglichen Grund dieser Blogreihe zurückzukommen, das mich zum Druidentum zog? Was tun Druiden? Dieser Blog ist schon wieder ziemlich lang, und ich muss gleich zum Yoga, also stay tuned für den nächsten Artikel dieser Reihe!

Demnächst: Was Druiden tun (wirklich)! Plus: Werde ich jemals die Hingabe entwickeln, mir einen richtigen Druidenbart stehen zu lassen?

Dienstag, 1. Mai 2012

Einen fröhlichen ersten Mai!


Dank an Naomi Fearn für den Link zu diesem grandiosen Song. Wer's noch etwas handfester gebrauchen kann, hier ist die WoW Druid-Variante.

Druidentum oder Der Geschmack des Apfels Teil I

Apfelbaum von Urlrich Kuhn/pixelio

Der Morgen des ersten Mai ist wohl kein schlechter Zeitpunkt eine Blog-Reihe zu beginnen, die sich damit befasst, was Druidentum eigentlich ist.

Also: Was ist Druidentum? Diese Frage wurde mir im letzten Jahr (genauer gesagt, seit ich einen örtlichen Stammtisch initiiert habe und damit zu dessen lustigem Antwortautomaten geworden bin) oft gestellt und meist beginnt mein Kopf an dieser Stelle etwas zu schwimmen.
Für gewöhnlich will der Fragesteller eine kurze, präzise und intelligente Antwort haben, aber wie erklärt man etwas, das seine Faszination zum Teil daraus schöpft, das es sich einer klaren Definition entzieht? Wie erklärt man jemandem den Geschmack eines Apfels? In Abgrenzung zu dem einer Birne? Besser man lässt denjenigen einfach mal hineinbeissen. Und wie beim Genuss eines Apfels sollte man vielleicht eher zeigen, was Druidentum ist.

Da das allerdings nicht immer geht, will ich den Versuch einer Erklärung wagen, nicht als klare Definition, sondern als Sammlung von Ideen- und Gedankensamen, die vielleicht in dem einen oder anderen zu Früchten heranreifen.
Zunächst einmal ist es wichtig zu begreifen, dass Druidentum eine gewachsene Tradition ist, die nicht in einem hermetisch versiegelten Raum entstanden ist oder am Reißbrett geplant wurde, und damit beinhaltet es viele Dinge, die es auch anderswo gibt. Oft höre ich: "Ja, aber das gibt's doch auch im Wicca." oder "Meditieren kann ich aber auch ohne Religion." oder "Chakren? Das ist doch Hinduismus!".
Ja, sicher. Nichts davon ist neu oder exklusiv. Ein Apfelbaum besitzt Wurzeln, Stamm und Blätter, wie ein Birnbaum auch.
Spirituelle Traditionen beruhen auf den Erfahrungen, die Menschen in und mit der Welt gemacht haben, und kreisen alle um die ursprüngliche Erfahrung des Menschseins und den Versuch des Menschen, die Welt zu begreifen. Deswegen finden wir so viele Gemeinsamkeiten zwischen Druidentum, Hexentum, Schamanentum, Buddhismus, Hinduismus und mitunter sogar den monotheistischen Religionen Christentum, Judentum und Islam. Aber sie sind dennoch nicht dasselbe, denn sie sind unter unterschiedlichen Umständen in unterschiedlichen Teilen der Welt gewachsen, wenn auch in gegenseitiger Beinflussung. Und die ist mitunter immens.
Vielleicht sollten wir einfach damit aufhören, spirituelle Traditionen klar voneinander abgrenzen zu wollen. Vielleicht macht es mehr Sinn, Traditionen wie Personen zu sehen. Jede hat ihren eigenen sehr spezifischen Charakter, so wie Stefan und Klaus unterschiedliche Menschen sind, auch wenn beide blonde Haare haben und gern Schokolade essen. Keiner würde auf die Idee kommen, Menschen in konkreten Aussagen definieren zu wollen. Warum also erwartet man das von Religionen und spirituellen Wegen? Schon mehr als eine Religion hat über diese nicht beantwortbare Frage einen heiligen Krieg angezetteln und ihren Mitmenschen den Schädel eingeschlagen. Vielleicht ist es sogar Teil der Natur des Druidentums, dass wir das nicht tun.

Als ich begann mich ernsthaft für das Druidentum zu interessieren und es als spirituellen Weg zu erwägen, hatte ich bereits viele Jahre der schamanischen Praxis und einige Jahre Wicca hinter mir. Was mich am Druidentum anzog war, dass es meine bisherigen Erfahrungen zu einem Ganzen zusammenzuführen und ihm eine weitere Dimension hinzuzufügen schien. Es respektierte das Wissen, dass ich mir in anderen Traditionen angeeignet hatte. Insgesamt  betont Druidentum eher die Gemeinsamkeiten als die Unterschiede, weil es sich der Tatsache bewusst ist, eine organisch bewachsene Tradition zu sein. Es ist ein lebendigen Wesen, das stets weiter wächst wie ein Baum, der sich seiner Umwelt anpasst, und doch stets er selbst bleibt. Und wie ein Baum besteht Druidentum nicht nur aus seinen Wurzeln, den überlieferten Texten und Ritualen, sondern auch aus Stamm, Ästen und Blättern. Es scheint ständig etwas hinzuzukommen, und viele der Druiden die ich kenne begeistern sich für Quantentheorie, moderne ökologische Methoden oder Trancemusik.

Vielleicht ist es also sinnvoller zu fragen was Druiden tun, anstatt so etwas Theoretisches wie eine Definition einfordern zu wollen. Und darum geht es in der... Fortsetzung!

Einen schönen ersten Mai wünscht
/|\
Chris

Montag, 30. April 2012

Rückkehr aus dem Supermarkt der paganen Eitelkeiten

Dieses Bild wurde nicht am Tag der Konferenz
aufgenommen und stellt auch kein Skyclad-Ritual dar.
Es stammt von der offiziellen Webseite des Prinsenhofs.
Wie kommt es, dass man als naturspiritueller Mensch während einer paganen Veranstaltung so selten echte Bäume zu Gesicht bekommt, dafür aber Tonnen von Kunstblumen und Feenglitter? Eine Frage, die ich mir immer wieder stelle, wenn ich eine Konferenz der Pagan Federation besuche wie gestern die unserer niederländischen Nachbarn.
Nachdem ich die ersten Stunden in einem abgeranzten Wirtshaus ausserhalb von Lunteren Vorträgen gelauscht, Ware begutachtet und bekannte Gesichter begrüsst habe, geht es mir mit meiner unerklärlichen Sucht nach Sauerstoff durch und ich schnappe mir meinen Mann Arno um einen ausgedehnten Spaziergang an der frischen Luft zu machen.
Tief durchatmen... und die Landschaft geniessen. Lunteren ist ein wirklich schmuckes Fleckchen, umgeben von weiten Wäldern, die zu Ritualen nur so einladen. Warum kommt keiner von der Orga auf die Idee, einen Ort anzumieten, wo man Rituale unter echten Bäumen abhalten kann, statt unter dem Plastikblumen-Blätterdach in einem fiesen Partykeller? Aber natürlich fallen auch mir genug Gründe ein: Der Ort muss gut erreichbar sein. Und vor Allem: auch fette Menschen, die nach fünf Minuten Fußweg schnaufen wie mein Mann nach einem Marathon und solche, die Angst vor Zecken haben, dürfen sich nicht ausgeschlossen fühlen. Ich höre sie schon schreien: Diskriminierung (oder was immer das auf Holländisch heißt)!!!
Hm... nun gut. Vielleicht muss man bei einer solchen Veranstaltung wirklich den kleinsten gemeinsamen Nenner bedienen. Andererseits: OBOD Camps funktionieren problemlos mit Feuerstelle und Sternenzelt, und bisher waren die Wege dorthin auch nicht so beschwerlich, dass irgendwelche Walfrauen mit Filztaschen sich per Hubschrauber hätten einfliegen lassen müssen (obwohl ich das gern mal sehen würde).
Der Rest des Tages wird nicht besser. Marian Green ist ein Lichtblick der Veranstaltung, aber ich bin mir während ihres Vortrags nicht sicher, ob der gute, aber nicht gerade neue Rat: "Wenn ihr Heidentum leben wollt, geht in die Natur!" auf allzu viele offene Ohren trifft.
Der Rest der Vorträge ist entweder in Holländisch oder handelt von Engeln, also nicht mein Ding. Wir essen Buletten und Pommes statt Salatplatte. Supergesund für den Körper, der ja nach naturreligiöser Vorstellung der Tempel der Götter ist. Ich sag nur: Fritten für Freya!
Ich sehne mich zurück in meinen Wald und in die Zeit, als Heidenszene für mich noch nicht mit bösartigem Sarkasmus verknüpft war.
Kurzerhand fahren wir nach dem Abschlussritual, das in etwa so fade daherkommt wie der abgestandene Biergeruch des Kellerlochs (ich hoffe es ist nur Bier, aber man kann nie wissen...), nach Hause statt wie geplant die Party mitzumachen und bei einer Freundin zu übernachten. Wir sind einfach zu platt und wundern uns wieder einmal, wie Menschen, die sich als Hexen bezeichnen, nicht sensitiv genug sein können, um eine gute von einer schlechten Location zu unterscheiden.
2 Stunden später steigen wir in der Bochumer City aus und ich fühlen uns wie im Urlaub: 24 Grad statt der frischen 16 Grad in Lunteren! Wir lassen uns im Bermudadreieck, in dem es bei dem Wetter brodelt wie bei den dionysischen Mysterien, an einem hübschen zentralen Tisch vor dem Extrablatt nieder und bestellen Bier und Salat. Nett hier, wirklich nett hier. Ich seufze auf, lasse die Anspannung des Tages von mir abfallen und betrachte den Halbmond am immer noch blauen Himmel über mir. Schön. Das hat mir gefehlt.
Erst jetzt wird der Irrsinn mir völlig klar. Ich sehe heute zum ersten Mal den Mond. Zum ersten Mal! Und ich hoffe dass meine paganen Mitbrüder und -schwestern in Lunteren ebenfalls einmal den Blick von ihren Glitzersteinen und Vortragsblättchen zum Himmel heben. Darauf ein kräftiges "So sei es!"


Anmerkung: Es sei darauf hingewiesen, dass die diesjährige Location eine Notlösung war, da das sonst genutzte und wesentlich angenehmere Gebäude renoviert wird. Trotzdem, viel raus sind die irgendwie nie gegangen!