Dienstag, 29. Mai 2012

Selbstausrichtung



Ich bin ein Kind des schöpferischen Universums.
Ich bin klar, kraftvoll und kreativ.
Ich erschaffe mein Leben aus der Fülle der Möglichkeiten.
Niemand anders kann mir diese Aufgabe abnehmen -
kein Mensch, keine Organisation, kein Gott.
Meine Energie fließt mit der Aufmerksamkeit.
Meine Aufmerksamkeit ist wie ein Laserstrahl - präzise und auf den Punkt.
Wachstum, Heilung, Ganzheit und Weisheit stehen im Zentrum meines Seins.
Mühelos wandere ich auf dem Grad zwischen Licht und Dunkel, Schöpfung und Zerstörung,
und werde vom Licht des Einen Bewusstseins geleitet das ich bin.

/|\
Chris

Donnerstag, 24. Mai 2012

Jenseits von Schubladen

"Wer sich selbst treu bleiben will, kann nicht immer anderen treu bleiben."
Christian Morgenstern

Bild von Günther Dotzler / Pixelio | Bearbeitung: ich

Um den nächsten Schritt zu tun ist es manchmal gar nicht notwendig zu wissen, wo man hin will. Viel wesentlicher ist es alte Selbstdefinitionen hinter sich zu lassen und den Sprung ins Ungewisse zu wagen.

Seit geraumer Zeit schon habe ich meine geregelten Schwierigkeiten, mich als Druide, Hexer, Heide oder was auch immer zu bezeichnen. Ich praktiziere druidische Methoden und Hexenkunst, aber ich habe zunehmend das Gefühl, dass eine einzige Tradition oder eine Bezeichnung nicht der Komplexität menschlicher Persönlichkeiten oder des Lebens gerecht werden kann.
Vorgefertigte Selbstdefinitionen drängt uns nicht nur die herrschende Kultur auf, auch jede Szene und spirituelle Gemeinschaft hat ihre Schubladen und Rollenbilder. Sehr schnell werden diese zu sozialen Nischen, komplett mit uniformer Tracht und uniformem Denken. Es geschieht ganz unmerklich. Man ist froh, Menschen gefunden zu haben, die (vermeintlich) die eigene Lebensphilosophie teilen. Und plötzlich lebt man sein Leben und seine Spiritualität nicht mehr im großen Kreis der Menschheit, sondern als Fragment seiner selbst in einer separierten Szene mit ihren eigenen Dogmen (ob ausgesprochen oder nicht, sie sind da), Regeln und Konformitäten.

Auf dem westlichen Weg arbeiten wir oft mit gezielten Identifikationen, während die Traditionen des Ostens von vornherein auf ein Ablegen sämtlicher Selbstdefinitionen aus sind. Der gemeinsame Nenner ist die allmähliche Ablösung von einem starren von der Gesellschaft geprägten Selbstbild.
Die Heidenszene verführt allerdings oft dazu, genau das Gegenteil zu tun. Ein neues starres Selbstbild wird erschaffen und bis aufs Blut verteidigt. Ich sehe Einordnung in bestimmte Sparten, Zementierung des Selbst und oft sehr wenig Bereitschaft zu wirklicher Transformation und Weiterentwicklung. Plötzlich ist man Lord Anthrazit oder Lady Purpurhase. Und wer kann der Verlockung solcher Titel schon widerstehen? ;)

Aber ich will die Szene nicht komplett verteufeln. Die Rollenbilder können, wenn man sie kreativ nutzt, als sinnvolle Spielvorlagen dienen. Man sollte sie nur nicht zu ernst nehmen und erkennen, wann es Zeit ist, ihnen zu entschlüpfen.
Für mich ist es an der Zeit. Der nächsten Schritt steht an. Vielleicht wird sich meine Praxis in Zukunft drastisch verändern, vielleicht auch nicht, aber ich muss erst mal von bestimmten Aspekten meines spirituellen Lebens ablassen, besonders denen, die ich mit Gruppen teile. Vielleicht ist es nur eine innere Veränderung oder eine graduelle Verschiebung der Prioritäten. Aber ich merke, dass es sich falsch anfühlt, mich weiter mit der heidnischen Gemeinschaft zu identifizieren. Nicht, weil ich sie grundsätzlich schlecht finde, sondern weil sie wie Alles auch Grenzen hat und ich das deutliche Gefühl habe, dass meine Seele über diese hinaus wachsen will. Man kann einem Weg folgen oder dem Selbst, aber auf Dauer nicht beiden gleichzeitig.

Vielleicht ändert sich gar in Zukunft der Titel dieses Blogs (auch wenn ich ihn mittlerweile echt mag. Plakative Begriffe haben auch ihre Vorteile). Mal sehen. Ich freue mich jedenfalls auf das unbekannte Terrain, das vor mir liegt.

Und noch ein Zitat zum Abschluss, diesmal von Ramana Maharshi:
"Finde den Ursprung des Ichs. Dann werden alle Schwierigkeiten verschwinden und das reine Selbst allein wird bleiben."

Sonntag, 13. Mai 2012

Der richtige Weg

Bild von Ivi/Pixelio | Bearbeitung: ich
Frage einen durchschnittlich astrologisch gebildeten Menschen nach dem entscheidungsunfreudigsten Sternzeichen und die Antwort fällt garantiert auf: die Waage.
Ich bin eine Waage. Impulsive Entscheidungen erscheinen mir wie der blanke Wahnsinn. Oft brauche ich unheimlich lange, um zu einer Entscheidung zu gelangen, entscheide mich mehrfach hin und her, und je größer die Tragweite der Entscheidung, umso länger  brauche ich.  Das ist nicht so, weil ich keine Impulse oder Gefühle zu dem jeweiligen Problem habe. Aber ich bevorzuge es, Dinge erst aus allen Blickwinkeln zu betrachten und alle Möglichkeiten zu erwägen (sic!) bevor ich handle. Aus meiner Sicht ist das ganz klar der beste Weg eine gute Entscheidung zu treffen.
Das das Ganze aber auch zu einer Manie werden kann, habe ich in den letzten Wochen und Monaten gemerkt. Ein Grund mal meinen Entscheidungsprozess genauer unter die Lupe zu nehmen. Eine der wichtigsten Fragen die ich mir stellte war: Wann hört das angemessene Abwägen auf und die Entscheidungslosigkeit selbst wird zur Haltung - vielleicht um eine Entwicklung zu verhindern oder den nächsten Schritt nicht tun zu müssen?
Ich habe meine Antwort bekommen, aber wie sieht es bei dir aus? Wie triffst du Entscheidungen? Hörst du auf deinen Kopf, deinen Bauch, deine Seele? Auf eins davon? Auf alle? Wie fühlt sich dabei dein Körper an? Traust du deiner Inneren Stimme, den Geistern oder Göttern, mit denen du arbeitest? Welcher Teil von dir segnet den Beschluss ab? Wie oft wird die Qual der Wahl zur Wahl der Qual? Und geht es auch anders?
Ich hoffe doch. Denn das Leben ist kein Denkspiel, sondern will erfahren werden, manchmal mit Fehlentscheidungen oder Rückschlägen. Trial and error. Warum auch nicht?

Einen schönen Sonntag wünscht
Chris

Freitag, 4. Mai 2012

Des Waldes Zuflucht

Mit einem Schauspieler nachgestellte Spielszene
Wenn es mich in den Wald um die Ecke zieht wird in den meisten Fällen eine kleine Pilgerreise daraus. Eine Arbeit, die zum größten Teil am Zeichentisch und mittlerweile auch am Rechner stattfindet kann unterschwellig ganz schön schlauchen, ein Umstand, der mir oft erst in seinem vollen Ausmaß bewusst wird, wenn ich mich auf die langsamere Geschwindigkeit des Waldes einlasse. Aus diesem Blickwinkel kommt mir mein Alltag vor wie ein Tom & Jerry Cartoon, und das obwohl ich wahrscheinlich den mitunter ruhigsten Job habe, den man sich in dieser Gesellschaft vorstellen kann.
Und so öffne ich mich, wann immer ich mir die Zeit nehme meine Plätze im Wald zu besuchen, ganz bewusst für den anderen Zeit- und Lebensstrom und die feinstofflichen Energien, die mir heute ganz besonders stark vorkommen. Vielleicht weil ich in den letzten Tagen einfach zu viel Zeit in Betonlandschaften verbracht habe. Ich vergesse noch immer leicht, dass der Aufenthalt im Grünen im wahrsten Sinn des Wortes meine Batterien neu auflädt.
Ich berühre Blätter, lege meine Hand an eine alte Buche und fühle augenblicklich das Leben unter der Rinde. Verwunderlich, dass Menschen das im Allgemeinen nicht mehr wahrnehmen. Und erfreulich, dass meine Feinfühligkeit inzwischen so ausgeprägt ist, dass ich es mühelos spüre, ohne dass sich wie früher der zweifelnde Teil meines Verstandes einmischt.
Dieselbe Feinfühligkeit ist es, die mich veranlasst die ausgetretenen Wege zu verlassen und seitlich in den Wald einzutauchen. Dieser Teil wird fast ausschließlich von jungen Buchen beherrscht. Es zieht mich merklich zu einer Stelle hinter einem Erdwall, der das gesamte Waldstück durchzieht. Als ich auf dem Wall stehe sehe ich was mich anscheinend gelockt hat. Direkt vor mir hat jemand sorgsam einen Unterstand aus dicken Ästen gebaut, ein weiterer kleinerer mit einer Plastikplane überzogener steht direkt daneben. Kinder? Wohl kaum. Zu durchdacht wirkt die ganze Konstruktion. Mir wird etwas mulmig und die in meiner Kindheit eingezimmerten Warnungen meiner Mutter vor bösen Männern an seltsamen Orten kommen mir in den Sinn. Wahrscheinlich ist die Wahrheit einfacher und weniger sensationell: Ein Obdachloser aus der Stadt wird sich hier einen Schlafplatz eingerichtet haben. Erstaunlich. Wie mag sich so ein Leben anfühlen, am Rande der Gesellschaft, so nah an einem im Wald hausenden Eremiten wie man heute nur sein kann?
Da ich niemanden stören will - aber noch vielmehr weil ich das Gefühl habe dort sowieso niemanden vorzufinden - kehre ich um und gehe zu meinem Kraftort, einer Stelle im Wald an der sich kleine Wasserrinnsale einen Weg unter den Wurzeln einiger großer Buchen ins Tal gegraben haben, wo sie den Bach speisen. Dort gibt es einen natürlichen Hochsitz zwischen den Wurzeln, genau zwischen zwei kleinen Quellen, wo ich für gewöhnlich sitze und bei einer Räucherung meditiere, während ich meine Kraftsteine vom fließenden Wasser reinigen lasse.
Der Ort ist nicht ganz unbeliebt bei den örtlichen Jugendlichen, zumindest finde ich immer wieder leere Flaschen. Und diesmal sogar eine Motorhaube in einem der Bäche, mit der spielende Kinder offensichtlich versucht haben, Wasser aufzustauen - natürlich vergeblich. Ich widerstehe dem Drang, das Teil sofort zu beseitigen und beziehe es stattdessen in meine Meditation mit ein. Gibt es hier eine Botschaft für mich?
Ich zünde meinen Beifuß in der Muschel an und lasse den Rauch zum sonnigen Himmel steigen. Bei nichts anderem fühle ich mich so verbunden mit der Welt. Kein großes Ritual, einfach nur bewusstes, aufmerksames Räuchern.
Erst nach der Meditation fällt meine Aufmerksamkeit wieder auf das sperrige Metallteil vor mir. Ich fische meine Steine aus dem Wasser und gehe hinüber, um es aus dem Bachlauf zu hieven. Darunter finde ich zu meiner Überraschung einen zurammengerollten, leuchtend gelb-schwarzen Feuersalamander, der offenbar dort Zuflucht gefunden hat. Nur mühsam scheint er aus dem Dämmerschlaf zu erwachen, seines Unterschlupfes beraub und zu viel Licht ausgesetzt. Schliesslich rappelt er sich auf und zieht benommen weiter, lässt sich in eine mit Wasser gefüllte Ausbuchtung des Wasserlaufs gleiten, wo nur noch sein Kopf aus dem Wasser guckt.
Schon eigenartig. Während Menschen der Stadt entfliehen und Zuflucht unter dem Blätterdach suchen, finden Tiere sie unter dem Schrott unserer Wegwerfkultur. Die Natur ist halt praktisch.

Epilog: Als ich nach Hause komme und meinem Mann von dem Salamander berichte, nennt er ihn Meistersalamander und lacht. Klar, denke ich nach ein paar Sekunden angestrengten Nachgrübelns. Schwarz-gelb. Borussia. Meistersalamander. Ist doch ganz klar, oder?

Donnerstag, 3. Mai 2012

Druidentum oder Der Geschmack des Apfels Teil II

Seltsam Gewandete in Stonehenge: Not my cup of tea (dachte ich).

Als ich zum ersten Mal vom Druidentum hörte fand ich die Idee schrecklich albern, aber irgendwie auch faszinierend. Es muss wohl in einem dieser Zeitschriftenartikel gewesen sein, in denen sich vernünftige Menschen über alle Arten Arten von Aussenseitern amüsieren, so auch die weißgewandeten Käuze, die Jahr für Jahr in Stonehenge die Sonne anbeten.
Das Bild grub sich irgendwann während meiner Kindheit ein und liess mich wohl nie ganz los, denn in den Jahren danach sollte ich so manchen Magier oder Druiden in weißen Roben und mit langem Bart zeichnen. Stets war er gut, weise, würdevoll,nicht ganz von dieser Welt und - solo.
In meinen Teeniejahren interessierte ich mich auch für alles Spirituelle, aber für mich waren das völlig getrennte Welten. Das eine war Fantasy-Mummenschanz, den ich auch liebte, aber eben als Fiktion, das andere eröffnete mir in der mehr oder minder wissenschaftlichen Sprache, die intellektuelle Teenager wie ich es einer war liebten, gänzlich neue Erfahrungswelten. Beide Welten kamen praktisch zusammen, als ich mit ca. 18 Schamanismus und Hexentum, und damit eine intuitivere und praktischere Herangehensweise an Spiritualität, für mich entdeckte.
Ich muss in dieser Zeit wohl auch das Druidentum wieder entdeckt haben, diverse Leute, die ich auf meiner Suche traf, waren sogar der Meinung ich sei einer, aber ich verwarf es schnell; denn A, ich war kein Kelte, und B, Stonehenge war zu weit entfernt, um dort ständig abzuhängen.
Außerdem schienen mir die Rituale, so weit sie sich mir in Fotos erschlossen, viel zu pompös und intellektualisiert, und ich hasste es mich zu verkleiden, schon zu Karneval. Ich sollte wohl zur besseren Erklärung dazu sagen, dass ich zwar total verkopft war, aber in meiner Spiritualität, zumindest seit ich den Schamanismus gefunden hatte, eher das Gegenteil suchte - Intuition, Gefühl, Leidenschaft, Einfachheit.
Wie dem auch sei, es vergingen einige weitere Jahre, in denen ich Alles praktizierte, was mir sinnvoll erschien, ohne einem bestimmten Weg zu folgen (eigentlich mache ich das immer noch so).
Mit dem Einzug des Computers in meinen Haushalt 2002 (ja, ich war ein Spätzünder und bin noch heute technophob, man mag es kaum glauben) erfolgte auch die große Vernetzung mit anderen Naturspirituellen, übers Netz wie auch auf Stammtischen der Pagan Federation.
Plötzlich hatte ich eine Menge Optionen und ich entwickelte den Wunsch einer bestimmten Tradition folgen zu wollen. Ich erwog sowohl den Druidenkurs des OBOD (inzwischen hatte ich mich näher informiert) wie auch einen Kurs bei Silver Circle, einem Zentrum für Wicca, in den Niederlanden. Der Vorteil des letzteren war: ich würde persönliche Lehrer haben, die ich bereits kannte und mochte. Also: wieder kein Druidentum. Seltsamerweise jedoch sollte die Farbwahl meines ersten Gewandes auf weiß fallen...
Um die Sache kurz zu machen: Wicca war in den nächsten Jahren interessant und gab mir viele wichtige Werkzeuge an die Hand, ich wurde initiiert und genoss das Arbeiten in einer kleinen verschworenen Gruppe, jedoch gab es auch genau so viel daran was mich befremdete. Als die Gruppe zerbrach war ich an einem Punkt, wo ich nur noch wenig Sinn sah, mit Wicca weiterzumachen. Wieder einmal auf einer PFI Konferenz fiel mir ein Flyer in die Hand, in dem ein Workshop von Philip Carr-Gomm, dem gewählten Oberhaupt des OBOD, an den Externsteinen angepriesen wurde. Der Flyer war hübsch, mit viel Grün und positiver Ausstrahlung, beides Dinge, die ich im Wicca seit geraumer Zeit nicht mehr gesehen hatte. Selbst Carr-Gomms Aussehen mit dem gelassenen Blick und den jungenhaften Locken weckte in mir den vagen Hoffnungsschimmer, dass es vielleicht doch eine passende Richtung für mich gab.
Ich fuhr zu den Externsteinen und von da an hatte es mich gepackt.

Aber was war es nun, um mal wieder zum ursprünglichen Grund dieser Blogreihe zurückzukommen, das mich zum Druidentum zog? Was tun Druiden? Dieser Blog ist schon wieder ziemlich lang, und ich muss gleich zum Yoga, also stay tuned für den nächsten Artikel dieser Reihe!

Demnächst: Was Druiden tun (wirklich)! Plus: Werde ich jemals die Hingabe entwickeln, mir einen richtigen Druidenbart stehen zu lassen?

Dienstag, 1. Mai 2012

Einen fröhlichen ersten Mai!


Dank an Naomi Fearn für den Link zu diesem grandiosen Song. Wer's noch etwas handfester gebrauchen kann, hier ist die WoW Druid-Variante.

Druidentum oder Der Geschmack des Apfels Teil I

Apfelbaum von Urlrich Kuhn/pixelio

Der Morgen des ersten Mai ist wohl kein schlechter Zeitpunkt eine Blog-Reihe zu beginnen, die sich damit befasst, was Druidentum eigentlich ist.

Also: Was ist Druidentum? Diese Frage wurde mir im letzten Jahr (genauer gesagt, seit ich einen örtlichen Stammtisch initiiert habe und damit zu dessen lustigem Antwortautomaten geworden bin) oft gestellt und meist beginnt mein Kopf an dieser Stelle etwas zu schwimmen.
Für gewöhnlich will der Fragesteller eine kurze, präzise und intelligente Antwort haben, aber wie erklärt man etwas, das seine Faszination zum Teil daraus schöpft, das es sich einer klaren Definition entzieht? Wie erklärt man jemandem den Geschmack eines Apfels? In Abgrenzung zu dem einer Birne? Besser man lässt denjenigen einfach mal hineinbeissen. Und wie beim Genuss eines Apfels sollte man vielleicht eher zeigen, was Druidentum ist.

Da das allerdings nicht immer geht, will ich den Versuch einer Erklärung wagen, nicht als klare Definition, sondern als Sammlung von Ideen- und Gedankensamen, die vielleicht in dem einen oder anderen zu Früchten heranreifen.
Zunächst einmal ist es wichtig zu begreifen, dass Druidentum eine gewachsene Tradition ist, die nicht in einem hermetisch versiegelten Raum entstanden ist oder am Reißbrett geplant wurde, und damit beinhaltet es viele Dinge, die es auch anderswo gibt. Oft höre ich: "Ja, aber das gibt's doch auch im Wicca." oder "Meditieren kann ich aber auch ohne Religion." oder "Chakren? Das ist doch Hinduismus!".
Ja, sicher. Nichts davon ist neu oder exklusiv. Ein Apfelbaum besitzt Wurzeln, Stamm und Blätter, wie ein Birnbaum auch.
Spirituelle Traditionen beruhen auf den Erfahrungen, die Menschen in und mit der Welt gemacht haben, und kreisen alle um die ursprüngliche Erfahrung des Menschseins und den Versuch des Menschen, die Welt zu begreifen. Deswegen finden wir so viele Gemeinsamkeiten zwischen Druidentum, Hexentum, Schamanentum, Buddhismus, Hinduismus und mitunter sogar den monotheistischen Religionen Christentum, Judentum und Islam. Aber sie sind dennoch nicht dasselbe, denn sie sind unter unterschiedlichen Umständen in unterschiedlichen Teilen der Welt gewachsen, wenn auch in gegenseitiger Beinflussung. Und die ist mitunter immens.
Vielleicht sollten wir einfach damit aufhören, spirituelle Traditionen klar voneinander abgrenzen zu wollen. Vielleicht macht es mehr Sinn, Traditionen wie Personen zu sehen. Jede hat ihren eigenen sehr spezifischen Charakter, so wie Stefan und Klaus unterschiedliche Menschen sind, auch wenn beide blonde Haare haben und gern Schokolade essen. Keiner würde auf die Idee kommen, Menschen in konkreten Aussagen definieren zu wollen. Warum also erwartet man das von Religionen und spirituellen Wegen? Schon mehr als eine Religion hat über diese nicht beantwortbare Frage einen heiligen Krieg angezetteln und ihren Mitmenschen den Schädel eingeschlagen. Vielleicht ist es sogar Teil der Natur des Druidentums, dass wir das nicht tun.

Als ich begann mich ernsthaft für das Druidentum zu interessieren und es als spirituellen Weg zu erwägen, hatte ich bereits viele Jahre der schamanischen Praxis und einige Jahre Wicca hinter mir. Was mich am Druidentum anzog war, dass es meine bisherigen Erfahrungen zu einem Ganzen zusammenzuführen und ihm eine weitere Dimension hinzuzufügen schien. Es respektierte das Wissen, dass ich mir in anderen Traditionen angeeignet hatte. Insgesamt  betont Druidentum eher die Gemeinsamkeiten als die Unterschiede, weil es sich der Tatsache bewusst ist, eine organisch bewachsene Tradition zu sein. Es ist ein lebendigen Wesen, das stets weiter wächst wie ein Baum, der sich seiner Umwelt anpasst, und doch stets er selbst bleibt. Und wie ein Baum besteht Druidentum nicht nur aus seinen Wurzeln, den überlieferten Texten und Ritualen, sondern auch aus Stamm, Ästen und Blättern. Es scheint ständig etwas hinzuzukommen, und viele der Druiden die ich kenne begeistern sich für Quantentheorie, moderne ökologische Methoden oder Trancemusik.

Vielleicht ist es also sinnvoller zu fragen was Druiden tun, anstatt so etwas Theoretisches wie eine Definition einfordern zu wollen. Und darum geht es in der... Fortsetzung!

Einen schönen ersten Mai wünscht
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Chris