Samstag, 18. August 2012

Das Druidische Friedensgebet als Meditation

Foto: Copyright by Pixelio/Twinlilli

Tief im stillen Zentrum meines Seins möge ich Frieden finden.
Schweigend in der Stille des Hains möge ich Frieden teilen.
Sanft im größeren Kreis der Menschheit möge ich Frieden verströmen.*

Vor einiger Zeit habe ich angefangen auf das Druidische Friedensgebet zu meditieren und dabei eine frappierende Ähnlichkeit zur buddhistischen Metta- (oder Liebende-Güte-) Meditation festgestellt.


Möge ich glücklich sein.
Möge (Name einer Person, die uns nah steht) glücklich sein. 
Möge die ganze Welt glücklich sein.

Zufall? Oder zeigt sich hier eine Weisheit, die an den Wurzeln beider Traditionen liegt?
Hier und heute will ich eher auf die Wirkungsweise und weniger auf den Ursprung der beiden Texte eingehen, angefangen mit dem Grundaufbau.

Die Reihenfolge der Sätze beider Meditationen (wenn man erstere denn als solche nutzt) folgt einer Bewegung der Aufmerksamkeit von innen nach außen. Dabei wird jedem der drei Kreise liebevolle Aufmerksamkeit geschenkt; angefangen bei uns selbst (was den meisten noch am Leichtesten fällt), dann zu einer befreundeten Person - oder im Fall des Druidengebets einem kleinen Personenkreis -  übergehend, und schließlich in der gesamten Schöpfung aufgehend. Das ist logisch und dürfte sich für die meisten Menschen stimmig anfühlen.

Die Wirkung ist für mich unmittelbar spürbar: Ich fühle mich klar, friedvoll, liebevoll und in Harmonie mit meiner Umwelt. Ein Zustand, der mich auch den ganzen Tag über mehr aus der Mitte und aus der Weisheit handeln lässt.

Frieden, Friedfertigkeit und Gewaltlosigkeit sind für mich zentrale Bestandteile des druidischen Weges, wenn auch nicht so extrem, dass ich jeden Käfer und Einzeller beklage, der eventuell bei einem Waldspaziergang unter meinem Schuhsohlen das Zeitliche segnet. Ich kann nicht für den Buddhismus sprechen, aber das Druidentum ist eine naturzentrierte Tradition und sich der Tatsache bewusst, das der Tod Teil des Lebens ist. 

Als Druide bin ich nicht weltfremd genug, um einen absoluten (und meiner Meinung nach auf einem falschen Verständnis des Lebens basierenden) Pazifismus zu leben. Ich töte vermutlich jeden Tag Abermillionen von Bakterien in meinem Körper und nehme in Kauf, dass jemand mein Essen getötet hat, bevor ich es verzehre. Und ja, ich esse Fleisch und halte das Schonen von tierischem Leben aus Gründen der Gewaltlosigkeit bei gleichzeitigem Töten von Pflanzen für große Scheinheiligkeit.
Insgesamt halte ich es lieber mit den Amerikanischen Ureinwohnern: achtsam durchs Leben (und durch die Natur) zu gehen, zu nehmen was man braucht und unnützes, grausames Töten vermeiden.
Wirklicher Friede beinhaltet auch, den natürlichen Kreislauf des Lebens zu akzeptieren.

Aber zurück zur Meditation. Eigentlich wollte ich schildern, was die Friedensmeditation mit mir macht, und warum ich manchmal die buddhistische Version, und mal die druidische, bevorzuge. Beide Mediationen nutzen die Kraft des (gesprochenen oder gedachten) Wortes. Sprache ist Macht und Magie, aber nur dann, wenn sie gezielt Emotionen hervorzurufen imstande ist, wofür wir uns bewusst öffnen müssen.

Die Worte der buddhistischen Metta-Meditation sind einfach, knapp und klar:

Möge ich glücklich sein.

Ein eindeutiger Wunsch nach Freude, Frieden und Wohlbefinden, präzise und auf den Punkt, der mich augenblicklich innerlich lächeln lässt und das Glück umgehend erfahren lässt.

Die druidische Version ist für mich weniger unmittelbar, aber ihre vielen Schlüsselworte führt mich in einen tieferen, vielschichtigeren  Zustand des Gewahrseins.


Tief im stillen Zentrum meines Seins
Meine Aufmerksamkeit wird nach Innen in die dunklen,nährenden Bereiche meines Bewusstseins gezogen.

Möge ich Frieden finden
Die Entsprechung des buddhistischen Textes, wobei Frieden und Glück (und Freude) für mich sehr nah beieinander liegen. Mit dem einen entstehen auch die beiden anderen.

Schweigend in der Stille des Hains
Der Hain ist im Druidentum nicht nur ein Ort des Heiligen und des Friedens sondern auch die Gemeinschaft der Gruppe selbst. Mit anderen Menschen zu schweigen, in Stille zu sein, ist etwas, das in der heutigen Welt kaum noch vorkommt, aber großes Potential für Heilung wie auch (paradoxerweise) eine Steigerung der Kommunikationsqualität für das Individuum wie auch die Gruppe besitzt. Der Satz "Mit guten Freunden muss man auch schweigen können" fällt mir dazu ein.

Möge ich Frieden teilen
Die Aufmerksamkeit wird wie in der Metta-Meditation vom Selbst auf ein Gegenüber (oder Mit-über?) erweitert. Erst wenn man gelernt hat sich selbst zu lieben und anzunehmen, kann man auch den anderen wahrhaft wertschätzen. Austausch und eine gemeinsame Erfahrung entstehen, sogar wenn wir allein für uns meditieren, denn auf den nichtmateriellen Ebenen gibt es keine räumliche Distanz.

Sanft im größeren Kreis der Menschheit
Sanft und mit Bedacht mit seinen Mitmenschen umgehen - fast schon ein Hohn in unserer konkurrenzbetonten Gesellschaft, und gerade deshalb so wichtig, wenn wir wirklichen Frieden leben wollen. Und das auf jeder Ebene: im Freundeskreis, im Berufsumfeld, in der Politik.

Manche Druiden ersetzen Menschheit auch gern durch Lebewesen, um die Reiche der Tiere und Pflanzen einzuschließen. Dazu tendiere ich ebenfalls, wobei ich denke, dass ein besserer Umgang mit den Mitmenschen automatisch auch eine gesteigerte Aufmerksamkeit unseren vierbeinigen, geflügelten, geschuppten und Chlorophyll-produzierenden Mitwesen zur Folge hat. 

Möge ich Frieden verströmen
Die volle Realisation des Friedens in uns selbst und mit unserer Umwelt erzeugt einen Überfluss an friedvoller, liebevoller Energie, den wir bereitwillig in die gesamte Schöpfung hinausschicken. Wenn ich an diesem Teil der Meditation angelangt bin, ist diese Kraft spürbar gegenwärtig.

So weit meine Gedanken zum druidischen Friedensgebet. 

Wer es nachmachen möchte: Ich meditiere auf jeden Satz ca. 10 Minuten, wobei es oft reicht, mir den Satz ein- bis dreimal in Gedanken zu sagen um in den richtigen emotionalen Zustand zu kommen. Sollte ich merken, dass ich wieder aus dem Zustand herausfalle, vielleicht weil andere Gedanken aufkommen, reicht es die Aufmerksamkeit liebevoll auf den Satz zurückzulenken. Das ist am Anfang sicher nicht für jeden so leicht, wie es sich anhört, aber auch in der Meditation gilt der alte Leitsatz: Übung macht den Meister. Das Stichwort dabei ist: Nachsicht mit sich selbst. ;)

Ich hoffe ihr könnt etwas davon mitnehmen und die Kraft des Friedens wirkt auch bald in eurem Leben, wenn sie das nicht schon tut.

Alles Liebe
Chris 


*Meine Übersetzung des englischen Originals, das da ist:
Deep within the still center of my being may I find peace.
Silently within the quiet of the Grove may I share peace.
Gently within the greater circle of humankind may I radiate peace.