Donnerstag, 14. Februar 2013

Nachrichten aus der Eremitenhöhle

Der Druide spricht wieder
Nachdem ich nun eine Weile nichts gebloggt habe, hatte ich heute das Gefühl, es könnte mal wieder an der Zeit sein.  Also will ich doch mal sehen, welche Dinge dabei zum Vorschein kommen, und lasse mich einfach durch den Fluß meiner Gedanken treiben.

Oft habe ich das Gefühl, gar nichts Wesentliches zum großen Strom der Weisheiten auf diesem Planeten hinzufügen zu können. Alles Wichtige ist schon vor Jahrtausenden gesagt worden und gestern wie heute tragen Leute wie ich (und ein paar weitaus weisere) Eulen nach Athen oder werfen Perlen vor die Säue, je nachdem, mit wem wir es zu tun haben. Wie zu Allen Zeiten werden immer nur die begreifen, die ohnehin keine Prediger und Gurus nötig haben und alle anderen sehen den Wald vor lauter Bäumen nicht. Warum also überhaupt über Spiritualität schreiben?

In den letzten Monaten hatte ich eine interessante Sicht auf die naturspirituellen Traditionen, durch die ich in den letzten zwanzig Jahren lernen durfte, denn ich habe schlichtweg Alles über den Haufen geworfen, einen Großteil meiner formellen Praxis eingestellt, Bezeichnungen und Selbstbetitelungen ad acta gelegt. Meine einzigen spirituellen Begleiter waren meine noch sehr neue Yoga-Praxis und sehr allgemeine Meditationsübungen.

Dennoch habe ich weiter die Szene beobachtet, vor Allem auf Facebook und im Freundeskreis und dabei so manchen Aha-Moment gehabt - mitunter über die Blüten der Maya-Endzeit (oder wahlweise Neuzeit)-Jünger. Manche Erkenntnisse waren desillusionierend, aber an vielen Stellen ist mir auch bewusst geworden, dass die heidnische Naturspiritualität noch viele Perlen für mich bereit hält, und ich mich davor hüten sollte, das Kind mit dem Bade auszuschütten.

So wie die sehr praktische, körperorientierte Perspektive des Yoga mir bewusst gemacht hat, wie armselig und ineffektiv der sogenannte Neopaganismus größtenteils (noch) ist, so deutlich wurde mir dennoch, dass seine Grundphilosophie mich stärker anspricht als jede östliche Tradition.

Und ich traf sie durchaus - die Druiden und Hexen, die Körperübungen machen. Die ihre Philosophie auch in den Alltag tragen. Denen es nicht reicht, sich mit einer mysteriösen Aura zu umgeben. Für die Plätzchen zu Imbolc nicht das Höchste aller Gefühle in Sachen Spiritualität ist.

Nichtsdestotrotz bin ich zögerlich, mich wieder stärker in eine Gemeinschaft einzubringen.
Eine meiner wesentlichsten Erkenntnisse ist, dass die Begeisterung und Radikalität, die ich in den frühen Neunzigern in der schamanischen Szene gespürt habe, entweder nicht mehr existiert oder zumindest nicht mehr Teil meines Umfeldes ist.

Vielleicht bin ich pessimistisch, aber das Heer der Wochenend-Spirituellen, die es sich in ihrer Nische der Nicht-Veränderung gemütlich gemacht haben, scheint immer noch übermächtig. Die wenigen, die eine ernstzunehmende, fordernde Spiritualität leben und sich nicht mit einfachen Antworten oder hübschen Kostümchen abspeisen lassen, scheitern oft an der Trägheit einer Bewegung, die mehr mit einem Trekkie-Treffen oder einem Taubenzüchterverein gemein hat als mit einer spirituellen Bewegung.

Es macht mich sehr nachdenklich, in entsprechenden Facebook-Gruppen und auf Profilen naturspiritueller Menschen mehr Sinnsprüche des Dalai Llama oder aus einem indianischen Kontext zu finden, als aus der angeblich eigenen Tradition, auch wenn ich die Gemeinsamkeiten nicht unter den Tisch kehren will.

Ich glaube dennoch mein Kurs ist klar, auch wenn ich mich noch ziere. Die Rückkehr des Blogtitels ist ein Indiz. Deutschland braucht Druiden und andere verdrehte Typen. Menschen, die quer denken und vor allen Dingen selbst denken. Die ihrer inneren Weisheit folgen anstatt seichtem Bücherwissen und szenespezifischen Platitüden. Bin ich so ein Druide? Ich weiß es nicht, aber zumindest ist es das Ideal, das ich anstrebe und das mich - das zumindest ist absehbar - wohl wieder aus meinem Eremitendasein hinausführt.

Ihr könnt euch also darauf freuen, dass es auch mit diesem Blog weitergeht, und zwar auf die gleiche respektlose, manchmal klare, manchmal verworrene Weise wie bisher.
Darauf ein dreifaches, fröhliches Awen.

/|\
Chris

1 Kommentar:

  1. Schön, dass du uns erhalten bleibst! Und ja, die Welt braucht Leute wie dich :)
    Ich hab Blindtextchens Reise nach einem halben Jahr auch wieder aktiviert und freue mich schon darauf zu sehen, wie es sich entwickeln wird!

    Abgeneth :)

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