Dienstag, 17. Dezember 2013

CD Review: Clannad - Nádúr


Beinahe hätte ich es für einen weiteren billig gestalteten Sampler mit altem Material gehalten – kein Kompliment für das Coverdesign von „Nádúr“, dem ersten neuen Clannad-Album in 15 Jahren. Was sich jedoch hinter der etwas beliebigen CD-Gestaltung verbirgt, ist eine Sammlung von dreizehn neuen Songs, die dem Gesamtwerk der irischen Gruppe jenseits all der altbekannten und vertrauten Wohlklänge durchaus neue Schattierungen und Tiefen hinzufügen. Ich wage zu behaupten, dass es neben „Magical Ring“ und „Banba“sogar eines ihrer besten Alben ist; ein Alterswerk, dem man die würdevolle Reife der Brennan-Geschwister und ihrer Onkels positiv anmerkt. Wo andere Bands nach wenigen Jahren ihrem Zenit überschritten haben, schaffen Clannad es immer noch bei jeder neuen Platte gleichermaßen zeitlos wie auch frisch und gegenwärtig zu klingen.
 Wohlgemerkt – ein paar der Songs gefallen mir gar nicht, aber dafür ist „Brave Enough“ einer der genialsten und kraftvollsten Songs, den Clannad je geschrieben haben. Und das Album wartet noch mit einigen anderen unglaublich guten Stücken auf, die die wenigen Ausrutscher verzeihlich machen.
 Lyrics sucht man im Booklet leider vergeblich, und auch das Internet gibt noch nichts dergleichen her, also bezieht sich meine Rezension hauptsächlich auf die Musik und die englischen Texte, soweit ich sie verstehe.
 Da ich gerade Lust habe, das Album mal Stück für Stück durchzugehen – hier meine Gedanken zu den einzelnen Titeln:

Vellum
Eine passende Eröffnungsnummer, die mit allem aufwartet, was Clannad-Fans kennen und lieben. Einen leicht jazzigen Groove, üppige Keyboardflächen, perlende Harfenklänge und hypnotischer Gesang der gesamten Band.
Das Lied lässt in mir Bilder von abgelegenen Mönchsklostern entstehen – durchaus ansprechend, erst recht da der Chorus in Latein gehalten ist, eine Sprache, die ich immer mochte.

Rhapsody na gCrann
Ein fröhliches Stück, dass die dunkle Ruhe des Eröffnungsstückes durchbricht wie ein frischer Wind. Ganz nett.

TransAtlantic
Ein schönes, nachdenklich wirkendes Lied, das ganz von Moya Brennans Stimme getragen wird.

HIGHLIGHT: Turas Domhsa chn na Galldachd
Ein beschwörend archaischer Choral im Stil von Harry’s Game mit Gänsehaut-Dudelsack und einem schönen Wechselspiel von männlicher und weiblicher Stimme. So lieben wir Clannad. Vorläufiger Höhepunkt, der jedoch schon mit dem nächsten Stück überboten wird.

HIGHLIGHT: Brave Enough
Die ersten Takte wirken noch etwas undefiniert, aber sobald es in den Chorus geht, zieht diese Nummer einen unweigerlich in ihren Bann. Die Trommel und die männliche Duettstimme von Duke Special (wer immer das ist) tun ihr übriges, um diesen Song wirken zu lassen wie aus dem Soundtrack eines monumentalen Fantasy-Films entnommen. Wie gesagt, eins ihrer besten Stücke ever.

The Fishing Blues
Auf das tollste Stück der Platte folgt leider das überflüssigste. The Fishing Blues ist ein schlagerhafter Schunkelsong mit nerviger Mundharmonika, der wie für den ZDF Fernsehgarten gemacht scheint. Sorry, aber in solchen countryesken Nummern wirkt Moyas Stimme immer irgendwie platt und substanzlos.

HIGHLIGHT: Lamh ar Lamh
Der nächste Track – ein bezauberndes, sich sanft steigerndes Instrumentalstück - entschädigt wieder. Für mich auch ohne Gesang das zweitstärkste Stück des Albums.

Tobar an tSaoil
Skurrile keltische Nummer mit cooler Maultrommel (?), die zum Tanzen einlädt. Ich versteh mal wieder kein Wort aber egal.

A Song in Your Heart
Schöner Song, abermals von Moyas Stimme beherrscht. Für mich kein Highlight, aber auch kein Flop.

A Quiet Town
Der zweite Song auf „Nádúr“, auf den ich gern verzichtet hätte. Vielleicht, weil’s schon wieder ums Fischen geht? Wahrscheinlich eher, weil diese belanglosen Hüpfnummern Clannad nicht besonders stehen.

Hymn (To Her Love)
Eine weitere von Moyas Gesang getragene Nummer mit hübschem Akustikgitarren-Solo.

HIGHLIGHT: Setanta
Eine weitere Perle wartet fast ganz am Ende und berührt mit einer ganz wunderbaren und innigen Melodie. Der Mythenkenner erkennt zudem gleich am Titel: Es handelt vom irischen Helden Cúchulainn.

Citi na gCumann
Das letzte Stück ist mal kein Instrumental, wie auf den letzten zig Clannad-Alben. Ein durchaus schönes, ruhiges Stück, das das Album geschmackvoll ausklingen lässt. Die einzige Kritik die ich habe ist, dass das Album mit „Setanta“ einen so viel effektiveren Abschluss gehabt hätte.

Fazit: Ich werde mich wohl daran gewöhnen müssen, bei The Fishing Blues und A Quiet Town schnell zur Skip-Taste zu hechten, dennoch wird sich dieses Album in meinem Haushalt heiß laufen. Danke für dieses vorgezogene Weihnachtsgeschenk, Clannad!

Montag, 16. Dezember 2013

Lebensfreude - Warum nicht jetzt?

Schon wieder Weihnachten. Und damit ist das Jahresende unseres seltsam künstlichen Kalenders, der mir immer wieder ein Beinchen beim Einstellen auf die zyklische Natur der Zeit stellt, auch nicht mehr weit. Ein Rückblick auf die letzten Monate zeigt: Gebloggt habe ich nicht viel.
Vielleicht liegt es daran, dass ich mich selbst in einem intensiven, aufregenden Wandlungsprozess befand, der mir selten das Gefühl gegeben hat, eine feste Meinung über irgendetwas formulieren zu können. Vielleicht fehlte mir auch einfach oft nur die Zeit für längere Artikel - und das dürfte wohl auch in Zukunft so bleiben.
Was auch immer der Grund, eigentlich ist er ein guter Anlass, mal flexibler zu werden und eine Reihe von kürzeren Posts zu veröffentlichen, wann immer sie auftreten, ohne langes Feilen und Formulieren.
Und den Anfang mache ich zum Thema...

Lebensfreude


Mein Guru in Sachen Lebensfreude:
mein Mann.
Ich weiß nicht, wie es euch geht, aber in mir spüre ich oft eine gewisse Beurteilung, wann immer das Thema Lebensfreude ansteht. Eine kleine, nagende Stimme, die Dinge sagt wie "Lebensfreude? Krieg erst mal deinen Job auf die Reihe. DANN kannst du dich freuen" oder "Lebensfreude ist was für oberflächliche Licht-und-Liebe-Hirnis, aber nicht für tiefsinnige Menschen wie dich". Schon witzig.

Dabei ist Lebensfreude - das stelle ich immer wieder fest - wie ein Scheinwerfer, der das gesamte Dasein in allen noch so kleinen oder großen Aspekten plötzlich in einem ganz anderen Licht erscheinen lässt, es uns leichter macht, die Dinge anzunehmen oder überhaupt erst mal ihre Konturen klar zu erkennen. Lebensfreude verbindet uns mit unserer Kraft, lässt uns neuen Mut schöpfen und hilft uns, Probleme als Herausforderungen zu sehen und positiv anzugehen. Seltsam, dass wir dieses Kraftpotential so selten anzapfen.

Ich persönlich fühle mich eigentlich erst wirklich real, wenn ich diese innere grundlose Freude verspüre. In diesen Momenten, wenn ich mich ohne äußeren Anlass ganz auf die Freude der Existenz einlasse, frage ich mich ernsthaft, warum Menschen überhaupt auf diese Erfahrung verzichten.

Ein großer Faktor ist wohl, dass wir oft glauben einen Grund zu benötigen, um uns zu freuen.
Eine beliebte Variante ist es, sich Freude zu verweigern, solange man nicht dieses oder jenen Problem gelöst hat oder klüger/besser/entspannter/reicher geworden ist.
Das Ganze erinnert mich stark an jene Leute, die sagen, sie könnten nicht Meditieren, weil ihnen dazu die Ruhe fehlte, ohne zu realisieren, dass Meditieren ihnen genau diese Ruhe und Entspanntheit im Leben schenken würde.

Manchmal ist es regelrecht so, als ob wir das Universum erpressen wollten: "Nein, ich werde mich erst gut fühlen, wenn du mir den neuen Job/kräftiges Haar/den Mann meiner Träume gegeben hast!" Und ich habe diese Haltung nicht nur bei spirituellen oder religiösen Menschen erlebt, sondern auch bei den (anscheinend) rationalst denkenden Köpfen, die man sich nur vorstellen kann.

Sich erst zu freuen und dann - mit dieser Lebensfreude - seine Herausforderungen anzugehen... das kommt uns absurd vor. So als wollten wir das Pferd von hinten aufzäumen. Warum soll uns das Universum noch mit neuen Sachen versorgen, wenn wir eh schon glücklich sind?

Aber mal ehrlich: Wir werden immer Wünsche haben. Wollen wir wirklich mit den Wohlfühlen so lange warten, bis sie sich alle erfüllt haben - was nie der Fall sein wird? Warum nicht jetzt anfangen, sich wohl zu fühlen? Methoden dazu gibt's genug, aber wir müssen dafür bereit sein, unser Wohlbefinden nicht mehr von äußeren Umständen abhängig zu machen. Das heißt auch, anderen Menschen nicht mehr den Schwarzen Peter dafür zuschieben, dass wir uns mies fühlen. Trauen wir uns das? Welche Grundannahmen über unser Leben würde das in Frage stellen?

Wie heißt es so schön: Wir können recht haben oder uns wohl fühlen. Was davon ist dir wichtiger?

Ich für meinen Teil beabsichtige mich täglich grundlos aufs Neue wohl zu fühlen. Vielleicht wird es mir nicht immer gleich gut gelingen, aber hey - wie viel leichter fallen auch schwere Aufgaben, wenn wir sie mit ein bisschen mehr Spaß und Leichtigkeit angehen?