Donnerstag, 22. Januar 2015

Was mich wirklich am rückläufigen Merkur stört

Merkur - der gehässige blöde Sack
in deiner Telefonleitung
Zwar stehe ich auf ziemlich vieles was retro ist, aber mercury retrograde, wie es so schön im Englischen heißt, geht mir doch ziemlich am Allerwertesten vorbei.  Denn ich habe bemerkt, dass in diesen Zeiten, wo der Planet Merkur, benannt nach dem griechisch-römischen Götterboten, sich von der Erde aus rückwärts zu bewegen scheint, sich keines der von Astrologen beschriebenen Muster in meinem Leben wieder zu spiegeln scheint.

Wohlgemerkt, ich habe wenig Ahnung von Astrologie. Aber ich kann einfach nicht bestätigen, dass diese 24 Tage im Jahr von gestörter Kommunikation, schlechten Entscheidungen und ähnlichen Geschichten geprägt sind. Ganz im Gegenteil, ich hatte zum Beispiel in der letzten dieser Phasen eine bemerkenswert gute, kreative und kommunikative Zeit.

Was mich viel mehr nervt als mögliche Internetstörungen oder der drohende Ehestreit ist die Fülle an unreflektierten Kommentaren, die ich zu dem Thema auf Facebook lesen muss. Wohlgemerkt, viele meiner Facebook-Freunde sind in irgendeiner Weise in der spirituellen oder paganen Szene unterwegs, glauben an Magie, Götter und Astrologie; und dementsprechend groß ist die Schwemme an naiver Schwarzseherei bezüglich des aufsässigen Götterboten.

Das Schöne an mercury retrograde: Man kann Alles, was nicht klappt (auch wenn das schon länger der Fall ist), dem geflügelten Herrn aus der griechischen Mythologie anhängen. Und den Hintern bewegt man am besten auch nicht vom Sofa. Ist ja eh Alles zum Scheitern verurteilt.

Mal ernsthaft, finde wirklich nur ich es seltsam, dass Menschen, die (augenscheinlich) spirituelle Wege der Selbstermächtigung praktizieren, plötzlich zu weinerlichen Fatalisten werden?

Wie auch immer die Sterne uns beeinflussen mögen, ich finde wir dürfen dem Glauben an ihnen nicht zu viel Macht über uns geben. Denn die eigentliche Kraft, unser Leben zu lenken, steckt in uns. Wir sind die Götter unseres Schicksals.

Für die, die's wissen wollen: rückläufiger Merkur ist vom 22.01. bis 12.02.2015.


1 Kommentar:

  1. Ein schöner Gedankengang. In der Tat, wir neigen dazu, alles auf solche Ereignisse abzuwälzen. Natürlich mag es beruhigend sein, wenn man sich damit die Dinge erklärt, die man eh nicht verändern kann. Aber dabei blwobt es ja leider nicht und wir schieben uns in die Opferrolle (hier: der Sterne) und lernen nicht aus unseren Fehlern.

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